Donnerstag, 25. Oktober 2007

Wenn das Telefon

morgens um kurz nach fünf klingelt, kann das nichts Gutes bedeuten.

Schwiegermutter wurde letzten Samstag vom Pfegeheim in das benachbarte Krankenhaus eingeliefert. Sie hatte ja auf eigenen Wunsch wieder feste Nahrung haben wollen, obwohl sie nicht schlucken kann. Dann hat sie reingeschaufelt, gehustet, genascht... Und am Samstag hat sie sich - wie ja so oft - verschluckt und erbrochen, hat dann aber kurze Zeit aufgehört zu atmen und ist im Rollstuhl zusammen gesackt.

Nun liegt sie da. Darmentzündung, angehende Lungenentzündung, zeitweise keine Atmung und körperlich total runter. Und vorhin, mitten in einer schönen Traumphase, bimmelt das Telefon. "Was sollen wir machen, wenn die Atmung ganz aussetzt?" fragte die Ärztin und berichtet von einer weiteren Verschlechterung ihres Zustands.

Wir hatten schon einige Zeit gewusst, dass diese Frage kommen würde. Aber nun, da sie ausgesprochen wurde, steht man da mit seinem Latein und krampft herum. Dass Muttern ein Biest war, verblasst für einen kurzen Moment zu einem Nichts. Man soll entscheiden. Man ist zerrissen.

"Lassen Sie es gut sein. Sie hat genug gelitten, mehr darf es nicht sein." Eine schwer auf uns lastende Antwort. Noch sind die anderen nicht informiert. Das hat Zeit. Aber nun sitzen wir hier und warten auf das nächste Klingeln des Telefons. Wenn wir nachher mit den Einkäufen durch sind, fahren wir rüber. Machen können wir ja sonst nichts.

Ich selbst stehe da ja ein wenig an der Seite, aber meine Liebste und ihre Schwestern sind - entgegen aller Beteuerungen und nüchternem Auftreten - ziemlich nervös und durch den Wind. Klar.

Mal sehen, vielleicht rappelt sie sich ja doch noch einmal auf.
+

Sonntag, 14. Oktober 2007

Adrenalin

schoss mir gestern gleich beim Überqueren der Dänisch-Deutschen Grenze ins Blut.

Nachdem ich mehr als 350 Kilometer vom Nordzipfel Dänemarks bis zur Deutschen Grenze absolut entspannt mit einer Geschwindigkeit von etwa 110 Kilometer pro Stund entlang rollen durfte ( Verbrauch etwa 5 Liter Diesel per 100 Kilometer ), wobei es weder Drängler noch sonst welche "aufregenden" Situationen gab, verlor ich auf deutscher Seite gleich wieder einen Teil meiner mühsam erarbeiteten Erholung.

Kurz vor der Grenze konnte man schon sehen, wie bei manchen Fahrern das Weiß in die Augen rollte und die Lippen schmal wurden. Wie bei einem Hunderennen war es dann ab Schild "Deutschland" soweit, und alle traten den Pinsel bis zum Blech herunter. Dichtes Auffahren, Lichthupe, Linksblinken - das volle Programm. Beschleunigen, Abbremsen, wieder beschleunigen. Und dabei immer im Spiegel gucken - was macht der Pöbel hinter mir?

Das Fahren auf deutschen Autobahnen ist absolut ätzend. Nur wenige Drängler werden zur Kasse gebeten, Geschwindigkeitsübertretungen nur im Promillebereich erfasst.

Ich wünschte, dass auch in Deutschland endlich ein 130 als Limit auf den Autobahnen ausgerufen wird. Drängler gehen für mindestens 3 Monate zu Fuß, Geschwindigkeitsübertretungen ab 10 Prozent auch. Geldstrafen bringen da gar nichts.

Was lacostet die Welt...

Geld spielt keine Rolex.

Mir ist schlecht. Unheimlich schlecht. Da schlage ich doch unsere Tageszeitung auf und finde auf Seite 5 und 6, der Doppel-Innenseite, eine riesige Anzeige für so einen spritfressenden Blechkasten, speziell gebaut für einen elitären Klüngel von Zuhälter- und Managertypen mit Armanianzügen oder Lacostepullovern und Sonnenbrillen in Begleitung ihrer dummbagsen Sonnenbankpüppchen. Allein die Anzeige hat wohl mehr Geld verschlungen, als eine vierköpfige Normalfamilie im Jahr an Lebensmitteln verbraucht.

Habe ich einfach mal im Internet geschaut: Die kleinste Ausgabe dieses Schlittens kostet - ohne Zubehör wohlgemerkt - 46.707,50 Euro. Man beachte die 50 Cent am Ende. Wer ein wenig auf sich hält, kauft die mittlere Version für 51.705,50 Euro und wertet noch ein wenig auf - sagen wir mal für etwa rund 8000 Euro.

Aber der Manager/Unternehmer von Welt mit der gut gefüllten Schwarzgeldkasse nimmt natürlich den Oberklassewagen für 70.864,50 Euro und gönnt sich ( da ja sonst nichts ) für problemlose 25.000 Euro sinnvolle Extras.

Lassen wir uns mal den angegebenen Verbrauch auf der Zunge zergehen: In der "kleinen" Version ist der innerstädtische Verbrauch mit 14,9 bis 15,1 Litern auf 100 Kilometern angegeben. Rund 15,5 Liter sind es in der mittleren Version und - was soll's, ich muss es ja nicht zahlen - in der "Exklusivversion" 18,2 bis 18,4 Liter innerstädtisch. Wir reden hier natürlich von Superbenzin.

Aber nein, es geht auch günstiger: der glückliche Besitzer mit Zugang zu Dieselkraftstoff nimmt natürlich die besonders kraftstoffsparenden Selbstzünder, die ja immerhin nur 11,6 bis 12,4 Liter innerstädtisch verbrauchen.

Es handelt sich bei diesem Fahrzeug um einen "gut durchdachten und praktischen Kombi". Nicht um so einen "blöden" Geländewagen ( von denen es ja mittlerweile von jedem Hersteller mindestens einen gibt. Was um alles in der Welt braucht die Welt / der Durchschnittsmensch denn so viele geländegängige Fahrzeuge? ) Die meisten werden ja eh nur zum Brötchenkauf aus der Doppelgarage geholt. Oder der junge Familienvater, der - natürlich das preisgünstig finanzierte Modell aus Korea wählend - sich einredet, nur so für die einmal im Jahr anstehende Fahrt mit dem Wohnwagen richtig gerüstet zu sein. Im Gegensatz zur jungen dynamischen Pferdehalterin, die ihren Cayenne von Porsche immerhin drei Mal im Jahr vor den Pferdehänger spannt und somit ja schon allein aus dieser Sicht anrecht auf so ein Automobil hat.

Es ist erst kurze Zeit her, da habe ich das Lebenswerk meiner Schwiegereltern, ein hübsches Reihenhaus in einem wirklich ruhigen und sauberen Stadtteil, für einen Appel und ein Ei hergeben müssen, weil Muttern das Geld für ihre Heimunterbringung benötigt. Für den Erlös hätte man gerade eben das Renomiermodell mit ein wenig Zusatzausstattung kaufen können. Und da es für "die junge Familie" auf die Schnelle noch zu teuer war, hat es wer gekauft? Nach kurzem Verhandeln und dem Winken mit "sofortiger Zahlung, ohne erst bei der Bank um Finanzierung zu betteln"? Natürlich. Es war der Typ mit dem 5-Liter-Schlitten, der für dieses Auto mehr auszugeben bereit war, als für Mutterns Häuschen.

Und dabei habe ich mit diesem Geschreibsel noch nicht einmal an die Umweltverschmutzung gedacht...

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Erholung pur

habe ich hier im Hohen Norden.

Das Haus ist absoluter Wahnsinn: Wirlpool, Kamin, Internet, tolle Küche zum Selberbrutzeln. Schön, der Strand soll 450 Meter entfernt sein - allerdings nur so, wie der Vogel fliegt, nicht, wie der Rentner läuft. Dann sind es 1200 Meter. Aber gut, das hechel ich auch irgendwie ab. Wir haben ja Zeit, gell?

Spazieren, schreiben, lesen, dösen, Gitarre spielen, Siedler spielen, Sonne gucken.... Schade, dass das nur eine Woche geht.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Deutscher Buchpreis

Julia Franck gewinnt deutschen Buchpreis

Wer ist Julia Franck? Ich bin absoluter Vielleser, nehme gerne Hinweise auf Bücher auf, suche aber auch ständig herum. Aber Julia Franck? Nee, nie gehört.

Ich frage mich, wer es schafft, aus den tausenden von Neuerscheinungen gerade diesen Titel ( Die Mittagsfrau ) herauszufinden.
Sicher, ich habe selbst miterlebt, wie eine ( zugegeben gut geschriebene Neuerscheinung ) plötzlich eine ungeahnte Eigendynamik entwickelt: Man bekommt einen Hinweis, wo man nach 'zig Ablehnungen noch einmal einen Versuch machen sollte, sein Manuskript einzureichen. Man kennt ein paar Leute und läßt ein paar Worte fallen. Man hat sogar schon einen Titel und eine gehobene Stellung, braucht womöglich das Geld nicht so dringend. Dann noch ein paar Bemerkungen und - schwups, kommt ein Artikel. Und Schwuppeldiwups - noch ein Artikel. Und dann... die zweite Auflage ist auch schon vergriffen.
Sicherlich toll, und es ist der Betreffenden zu gönnen, aber sie schafft es nicht bis nach Frankfurt. Sogar Leute, die noch besser schreiben und schon viel veröffentlicht und verkauft haben, schaffen es nicht.

Wer, so frage ich mich nun, liest nun so viele Bücher, dass er tatsächlich behaupten kann, dass gerade dieses Werk den Preis erhalten soll??? Ich glaube bald, dass da doch eine Menge Schmuh dabei ist.

Also, liebe Autoren, Schreiber und Kritzler: Ich mache mir meine Bestseller selber. Ich schaffe es auf vielleicht 70 bis 80 Bücher im Jahr, und ich fürchte, dass Julia Franck nicht mit dabei ist. Auch, wenn da irgendwer behauptet, dass dieses Buch genau das Buch der Bücher in diesem Jahr ist....

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Das hat man nun davon...

Als ob ich es nicht geahnt hätte. Es hätte mir klar sein müßen, dass ich mit dem Auftrag "Verkauf Du bitte das Haus" auch die obligatorische Pappnase / Arschkarte bekomme.

Ich habe nun endlich einen Käufer gefunden, der das Haus unserer lieben Schwiegermutter gekauft hat. Ein wirklich nicht ganz einfaches Stück Arbeit, das mich ziemlich viel Nerven gekostet hat. Immerhin war das Haus nicht so gut erhalten, wie es hätte sein sollen. Ich hatte alle Schwestern abgefragt, ob der Preis in Ordnung geht und habe dann dem Käufer die Hand gegeben.

Der Vertrag ist unterzeichnet. Man könnte froh und zufrieden sein. Wenn da nicht...
Eine Schwester, die immer schon ein wenig cholerisch war, ruft mich zwei Tage nach der Unterzeichnung an. Ja, es ist genau die Schwester, die mir vor Jahren schon sagte: "Na, Gott sei Dank, dass Du mit unserem Erbe nichts zu tun hast!" Diese Liebe ruft mich also an ( mit vermutlich dem einen oder anderen Schlückchen Rotwein im Kopf ) und duselt mich voll. Sie labert mir einen Blumenkohl nach dem anderen ans Ohr: was sie nicht alles für Mama macht ( das wäre, einmal in der Woche alle Schwestern des Heims blöde anmachen und dann sich über das selbst angerichtete Chaos aufregen ). Und sie könne gar nicht verstehen, dass - usw.usw.
Krönung des Gelabers: "Ich mache Dir keinen Vorwurf. Nein, wirklich nicht. Glaube mir, ich mache Dir keinen Vorwurf, dass Du das Haus so billig weggegeben hast. Nun - eine für ihren Redeschwall wirklich lange Pause folgt - ich hätte ja jemanden gehabt, der zwanzig Tausend mehr gegeben hätte. Aber mach Dir keine Gedanken, ich mache Dir keinen Vorwurf!"
Wochenlang eiere ich da herum, gebe Anzeigen auf, treffe mich mit Leuten, die ich NIE auf der Straße angesprochen hätte, versuche mich bei den Mädels abzusichern - und dann doch noch die breite Kelle! Der Druck in meinem Magen ist übermächtig, wenn ich jetzt wieder daran denke.

Alle sagen: Nimm sie nicht ernst. Aber, kann man so etwas wirklich so einfach wegstecken und ignorieren? Ich jedenfalls nicht.
Bleibt mir nur zu hoffen, dass dieses verfluchte Geld genau so lange hält, wie Mutter lebt. Nicht ein einziger Cent darf da über bleiben. Nicht auszudenken, was passiert, wenn 45 Euro und 51 Cent durch fünf Erben geteilt werden soll.

Freitag, 21. September 2007

Sieben Jahre, dann Schluss

Pauli für befristete Ehe
Fürther Landrätin will Scheidungskosten sparen - CSU: Völlig absurd



Neues von der Fürther Landrätin: Gabriele Pauli hat vorgeschlagen, Ehen zu befristen. Sie sollen nach sieben Jahren auslaufen, sagte die CSU-Politikerin. Das spare Scheidungskosten. Pauli weiß, wie teuer die sind: Sie ist selbst zweimal geschieden.


Oh Gott... die muss ja wirklich total gefrustet sein. Nur, weil sie mit den Begriffen Liebe, Vertrauen, Gemeinschaft, Toleranz, Konfliktbewältigung, Miteinander, Planung und ähnlichen Grundvoraussetzungen einer Partnerschaft nicht umgehen kann, will sie jetzt anderen Menschen ihr eigenes Unvermögen unterstellen und so einen Unsinn aufzwingen? Ich habe selten so einen Quatsch gehört.


Nach ihrer Rechnung hätte ich dieses Jahr die vierte Verlängerung beantragen müssen. Und wir arbeiten intensiv auf die nächsten drei hin...

Rübe ab... und gut is'

Mattel nahm 1,5 Millionen Spielzeuge vom Markt
Spielzeugfabrikant erhängt sich nach Rückrufaktion
Nach dem Rückruf von Kinderspielzeug der Firma Mattel hat der Chef eines chinesischen Spielzeugunternehmens Selbstmord begangen. Zhang Shuhong von der Firma Lida Toy Company sei am Wochenende erhängt in seiner Fabrik in der Provinz Guangdong aufgefunden worden, berichtete die Tageszeitung "Southern Metropolitan".


Der schöne alte Brauch, sich bei fehlerhaftem Verhalten – zur Wiederherstellung / Erhaltung der Ehre – das Leben selbst zu beenden, gibt es also noch. Ich finde, dass das die weitaus bessere Alternative ist, anstatt verbrecherhafte Manager bei erwiesenem Unvermögen oder sogar mutwilligem Fehlverhalten mit Millionenbeträgen die Absolution zu erteilen.

Montag, 10. September 2007

Wochen sind vergangen,

seit ich das letzte Mal hier etwas eingetragen habe. Wie bei Willem Busch schon steht: Eins-zwei-drei im Sauseschritt, läuft die Zeit, wir laufen mit.
Hätte Goldfederchen ( Hallo, Federchen *drück* ) nicht gepostet, hätte ich diesen Blogg vielleicht schon längst vergessen....

Also hier, für die, die so viel Zeit haben, hier in den Bloggs zu lesen:

Noch immer dreht sich alles um Mutter. Sie lebt jetzt in einem Seniorenheim. Wie es aussieht, geht es ihr ganz gut. Körperlich ist da zwar nichts mehr und ihre Motorik ist gen Null, aber sie kann dem täglichen Ablauf folgen. Da wären Singkreise, denen sie beisitzen kann, Klönecken, Fernsehecken, Gottesdienste usw. Und fast jeden Tag ist meine Liebste oder eine ihrer Schwestern da und besucht sie, geht mit ihr in den Park oder klönt mit ihr.
Und sie schafft es, immer wieder Dinge unter das Volk ( ihre Kinder ) zu streuen, die schnell Emotionen aufkochen lassen. Manche ihrer ( absichtlich von einigen? ) falsch verstandenen Äußerungen über irgendwen oder irgendwas ziehen Telefonate nach sich, in denen sich dann irgendwer über irgendwas beklagt, was Mutter angeblich gesagt haben soll - oder ihr zugestoßen ist. Dann aber nicht direkt bei der „bösen“ Schwester, sonder ganz wo anders, von wo es dann auch über drei Ecken doch wieder dort ankommt, worauf ein erboster Anruf folgt – aber natürlich auch wieder bei einer an dieser Aktion nicht beteiligter Schwester. Usw.-usw.

Mir hat man nun den Verkauf des Hauses übertragen. Das Haus hätte eine Menge Geld gebracht, aber der Zustand nach fast dreißig Jahren Vernachlässigung ist, gelinde gesagt, dramatisch. Zudem fallen die Immobilienpreise, und die hohen Vorstellungen einiger Schwestern sind nicht annähernd zu erzielen.

Zwei große Container, ein LKW des DRK (62 Säcke Altkleider und 15 Sack Wolle!!!), 24 laufende Meter (zwofuffzig breit und zwo hoch) Sperrmüll, mehr als zwanzig Touren mit dem Kombi für Altglas, Töpfe und Geschirr, mehrere Touren mit dem Kombi für die „wichtigen Unterlagen und Bilder“ und Dinge, die man noch braucht. Und… das Haus ist noch immer nicht leer.

Ob wir das Haus nicht…? Nein! Egal, was wir mit dem Haus machen, der giftige Geist meiner Schwiegermutter hockt lauernd in jeder Ritze. Für immer. Er wartet nur darauf, mich (oder jedes andere Mitglied der Familie) aus dem Hinterhalt anzuspringen. Immer, wenn ich mit einem potentiellen Käufer durch die Räume gehe, sitzt irgendwo in der Ecke meine lächelnde Schwiegermutter in ihrem Rollstuhl – so mit Nackenröllchen, mit ihren Würstchenzangen, die sie mit alten Nylons am Stuhl festgebändselt hat, ihrem Deckchen und den ganzen Provisorien, für die sie bekannt war. Sie sitzt da, schaut mich an und winkt mir zu. Dabei sagt sie: „Ihr habt mich alle bestohlen. All meine Sachen sind weg. Dafür werdet Ihr büßen!“ Dann winkt sie mir zu und rollert, wie von Geisterhand bewegt, durch die Räume. Um mich dann im nächsten Zimmer zu erwarten.

Bei dieser Aktion habe ich viele Leute kennen gelernt. Nette Paare, junge Paare mit kleinem Kind, jede Menge Makler („Kann ich SOOOFORFT für Euch verkaufen…!), Spinner („In einer Stunde haben wir den Vertrag, in zwei liegt das Geld Bar auf dem Tisch…!“), Miesepampels („In so ein Dreckloch lotsen Sie mich hier rein…?“) und jede Menge anderes Volk. Mal sehen, wer es letztendlich bekommt.

Ob sie mitbekommen hat, dass das Haus geräumt und verkauft wird? Gesagt wurde es, ja sicher. Es gibt auch zwei Generalvollmachten. Aber trotzdem verschenkt sie sporadisch an irgendwelche Leute, die ihr gerade begegnen ( Schwester Lotti vom Stockwerk 2, der Tochter ihrer Bettnachbarin, dem Pfarrer usw. ), Dinge ihres ehemaligen Haushalts, die diese gar nicht haben wollen und die es auch gar nicht mehr gibt. Schwierig zu händeln manchmal…

Und – natürlich wie in jeder Familie – sind da die „schwächsten Glieder der Familie, die man stützen muss“. Die, die sich fortlaufend Geld geliehen haben, auf ein dickes Erbe hoffen ( möglichst bald ), auch vor dem heimlichen Griff in Mutters Portemonnaie nicht zurück schreckten. Die, die (wie ging das? Keiner von denen hat eine offizielle Arbeit?) das größte, neueste und am besten eingerichtete Haus haben, in besonders guter Lage mit drei Autos. Die Schwester, die sich nie gemeldet hat, als Mutter im Krankenhaus lag. Die, die die Ausrede hatte: „Ich habe kein Geld für die Busfahrkarte…“ Sollte von dem Geld einmal etwas über sein, gibt es wohl Mord und Totschlag. Ich kann nur hoffen, dass Mutter so lange lebt, bis die Kohle bis auf den letzten Cent verbraucht ist.

Aber man lernt auch etwas. Ich habe etwas über Vor- und Nacherben gelernt.
Mutter ist Vorerbe. Ausdrücklich nicht befreiter Vorerbe. D.h., dass Mutter lediglich Verwalterin des Erbes ( in diesem Fall ist es das Haus ) ist. Sie hat es in Stand zu halten ( was nicht der Fall war ), sie darf kein Geld verschenken ( was vermutlich der Fall war – s.o. )… eigentlich darf sie nur das Haus bewohnen und hat es sorgsam zu erhalten. Sie darf nichts damit machen, wenn nicht die Nacherben mit unterzeichnen.
Wenn jetzt das Haus verkauft wird, willigen alle Schwestern als Nacherbe ein. Dann gefährden sie eigentlich auch die Nacherbenschaft, da der Erbgegenstand ( das Haus ) ja nicht mehr da ist. Das Geld wird ja für das Seniorenheim gebraucht. Wenn Bargeld da ist, kann sie es auch weggeben (diese „schwächste-Glieder-der-Familie-Geschichte), wenn jemand nur laut und überzeugend genug jammert.

Und weiterhin gibt es da etwas, das wohl keiner bis jetzt so richtig mitbekommen hat: Das so genannte Nacherbe erlischt automatisch nach dreißig Jahren. Mutter ist seit 23 Jahren Witwe. Sie kann also in sieben Jahren mit dem Vermögen tun und lassen, was sie will. Keiner kann ihr dann noch etwas vorschreiben. Hätte sie das Haus dann noch, könnte sie es auch dem Papst schenken. Oder wem auch immer. So bleibt wohl noch eine hübsche Summe über, über die sie dann testamentarisch verfügen kann. Dann geht der Spaß mit dem Erben erst richtig los….

*

Tja, was war sonst so?

Ich mache ja bekanntlich nebenher ein wenig Musik. Wir haben eine kleine CD aufgenommen und sind recht erfolgreich aufgetreten ( Live im NWDR, toller Artikel in der Presse ). Darauf bin ich schon ein wenig stolz. ( www.update-music.de )

Mein zweiter Sohn startet jetzt auch sein Studium, unterstützt durch ein Stipendium seiner vorherigen Firma. Darauf bin ich auch stolz.

Mein jüngster Sohn ist im dritten Semester „Techno-Mathe“ und schafft es nebenher auch noch, Nachhilfe zu geben und Musik zu machen ( www.claasundClaas.de ). Darauf bin ich ebenfalls gewaltig stolz.

Ich habe an zwei Preisausschreibungen für Kurzgeschichten teilgenommen. Mal sehen, ob ich da unter die Leute falle, die Grund haben, ein wenig stolz zu sein.

Ich habe noch immer keine Zeit gefunden, mich ein wenig um meine Malerei / Zeichnerei zu kümmern. Darauf bin ich gar nicht stolz.

Wir haben momentan nicht die finanziellen Mittel, die Kraft, die Zeit und die Hilfe, unsere Wohnung endlich zu renovieren. Auch hier bin ich ganz und gar nicht stolz.

Meine Gesundheit ist unter aller Sau. Kürzlich war ich wegen der fälligen Rentenverlängerung beim Vertrauensarzt der BfA, der mich fragte, was ich bei ihm solle. Mein Herz sei ein Motor, der nur auf einem Zylinder läuft – mehr schlecht als recht – und wenn ich nicht so positiv denken würde, könne die BfA an meine Witwe zahlen. Aha, denke ich. Nicht neu, aber war ja zu erwarten, dass auch dieser Arzt ein EKG und ein Echo in dieser Richtung auswertet. Als dann die Schwester bei meinem Kreislaufzusammenbruch bei 50 Watt Ergometer den Doktor rufen musste, trennten wir uns einvernehmlich: Mein ehemaliger Arbeitgeber muss nicht fürchten, dass ich noch einmal einen Arbeitsversuch machen soll.

*

Tja, da ist mal wieder was zusammen gekommen. War noch nicht alles, aber ich spare mir das eine oder andere Ereignis auf, um es in einer Kurzgeschichte zu verwursten. Die schönsten Vorlagen für Krimis und Döntjes liefert das Leben selbst, oder?


Wer bis hier durchgehalten hat: Respekt und vielen Dank.

Mit lieben Grüßen aus der Hansestadt
Korinthe

Freitag, 13. April 2007

„Haben Sie schon einmal geerbt ...?“

Er schaute uns über den Rand der Brille an. Irgendwie verständnislos schüttelte ich den Kopf.
„Und Sie sind sich ganz sicher, dass nirgendwo noch eine Kiste mit Geld oder Schmuck versteckt ist …?“ Wieder meine eindeutig verneinende Kopfbewegung.
„Dann werde ich das Dokument jetzt siegeln und ihnen eine Quittung ausstellen.“

Als ich das Dokument an diesem düsteren Tag im April 1993 entgegen nahm, hatte ich weder Tränen, noch Wut oder Trauer in mir. Das Schriftstück bescheinigte lediglich, dass ich zu den ganzen Erinnerungen an meinen Vater nun auch seine materielle Hinterlassenschaft ablehnte.

Anderen gegenüber, besonders Kindern, war er ein ausgesprochen sympathischer Blender. Immer freundlich, zuvorkommend und zu einem Scherz aufgelegt. Im häuslichen Kreis aber … Zugegeben, er hatte es nicht leicht, seit meine Mutter 1969 verstorben war ( der ältere Halbbruder verließ damals sofort das Haus, meine Schwester war 8 und ich 13 Jahre alt ). Aber seine väterlichen Erziehungsmaßnahmen und Ansichten waren mehr als streng und noch heute trage ich ihm sein unangemessenes Verhalten nach.

Ich spielte bis zum 31.12.1974 die letzte Geige in diesem Familienorchester. An diesem Tag wurde ich volljährig und auf die Frage meine Vaters, als ich mit einem kleinen Beutel Wäsche und meinen Schulunterlagen an der Tür stand, ob ich denn noch einmal wiederkommen würde, antwortete ich: „Das glaubst Du doch wohl nicht wirklich?“

Im Sommer 1979 verschwand meine Schwester. Sie hatte schon seit längerer Zeit die Schule geschwänzte, und als es nun das Abschlusszeugnis geben sollte, ging sie eines Morgens aus dem Haus. Von diesem Tag an stand ich – bis sie ein Jahr später hochschwanger wieder bei ihm einzog – ganz hoch im Kurs. Schwesterherz wurde von ihm mit offenen Armen empfangen, er zahlte alle Strafen und Schulden, vertuschte Scheckbetrügereien und Unterschriftenfälschungen und fragte nicht nach dem Vater des ungeborenen Kindes. Ich war wieder in die letzte Reihe seiner Gunst gefallen.

Wenige Monate später heiratete sie und bezog eine Wohnung in der Nebenstraße. Sie lebte gut vom Sozialamt und Vaters Unterstützung. Sie sahen sich täglich, ich musste mich selbst darum kümmern, ihn hin und wieder einmal ans Telefon zu bekommen.

1992 erkrankte er an Krebs. Sein Herzleiden hatte ihm eine frühzeitige Rente beschert, aber mit dem Krebs hatte keiner gerechnet. Und voilá – ich war wieder geduldet. Ich durfte Einkaufen gehen, besorgte eine Pflegekraft, sollte ihn besuchen. Später stellte sich heraus, dass meine Schwester sich vom Amt für Soziale Dienste schon seit einiger Zeit für „das Führen des Haushalts des Erkrankten“ bezahlen ließ. Für die kulinarische Versorgung ihrer nun fünfköpfigen Familie bediente sie sich fleißig aus dem Portemonnaie unseres Vaters und achtete darauf, dass rechtzeitig das Geld für ihr Telefon und Strom für ihre Wohnung von seinem Konto überwiesen wurde. Zudem nahm sie sich ein paar Schecks, die sie selbst ausfüllte und unterschrieb. Ob unser alter Herr etwas davon ahnte oder nicht, kann man heute gar nicht sagen. Ich denke, er wusste es.

Sie saß mit den Kindern jeden Tag bei ihm herum und ließ es sich gut gehen, was später von einem nicht ganz nahen Angehörigen als „aufopferungsvolle Pflege“ bezeichnet wurde. Als eine Nachtschwester zur Pflege hinzugezogen werden sollte, forderte man mich auf, mich an den Kosten zu beteiligen. Mein Gegenargument, dass die Rente gut und gerne ausreichen würde, wenn „er“ nicht mehr meine Schwester unterstützen würde, wurde als Frechheit abgetan. Wie ich so etwas sagen könne, das schwächste Glied muss gestützt werden, und es wäre meine Pflicht … Diesen Spruch hörte ich nach seinem Tod noch einmal von dieser Familienseite, als man mich aufforderte, das Erbe zu übernehmen und meine Schwester zu unterstützen. Ich lehnte dankend aber energisch ab.

Vater verstarb im März 1993. Meine Schwester rief mich an, ich fuhr hin und wurde dann auch gleich gebeten, die Formalitäten zu regeln. Ich unterschrieb beim Beerdigungsinstitut und machte die entsprechenden Gänge.

Am Tag danach kam ich in die Wohnung: die Waschmaschine war verschenkt, der Fernseher ( den ich ihm zusammen mit meiner Tante vor knapp einem Jahr geschenkt hatte ) war bereits verkauft, Schränke waren offen. Ich nahm die Kontoauszüge, ging zur Bank – das Konto war leer.

In kürzester Zeit räumte meine Schwester alle verwertbaren Dinge aus der Wohnung, ohne dass ich sie hätte darauf ansprechen können. Es kamen diverse Forderungen ( u.a. waren seit zwei Monaten die Kosten für die Krankenpflege nicht überwiesen worden, obwohl die Zahlungen vom Amt für Soziale Dienste eingegangne waren ), man präsentierte mir die Rechnung für Beerdigung, Wohnungsrenovierung, ich entdeckte ihre Unterschriftenfälschung auf den Schecks …

Ich lehnte das Erbe ab, nachdem ich die Beerdigung bezahlt hatte. Trotzdem ich ihnen von den Machenschaften meiner Schwester erzählte, deckten mich meine Verwandten nun mit Sprüchen ein, wie „aufopferungsvolle Pflege“ und „schwächstes“ Glied“. Ich forderte meine Schwester auf, mir nie wieder unter die Augen zu treten. Und ich sagte zu, dass ich sie wegen der Vergehen nicht zur Anzeige bringen würde. Vorausgesetzt, sie bleibt mir und meiner Familie fern. Kurz darauf hörte ich, dass auch sie das Erbe offiziell abgelehnt hatte.

Sie hatte noch Kontakt zu unserer Tante, die sie und ihre Familie wohl hin und wieder ein wenig unterstützte. Ich sah sie auch im Fernsehen, als sie als Mietnomade mit ihrer Tochter eine wirklich tolle Show hinlegte. Dann schrieb sie mir vor ein paar Jahren einen Brief, in dem sie mich fragte, warum ich sie so hasse. Sie habe doch gar nichts getan …

Ich habe darauf nicht geantwortet.

*
Jetzt, wo ich diese Kurzfassung geschrieben habe, geht es mir keinen Deut besser. Auch nach diesen vielen Jahren nicht. Auslöser für diesen kurzen Abriss war, dass meine Schwiegermutter nun zum Vollpflegefall wird. Ich will einfach nicht, dass so etwas wieder passiert … Alle sagen, dass das „so“ ja auch gar nicht kommen muss. Darauf habe ich nur das Zitat des Anwalts:

„Haben Sie schon einmal geerbt?“

Was ich noch sagen wollte...

Ab und zu schreibe ich eine Geschichte, ein Gedicht oder sonst irgend einen Unsinn. Nicht alle meine Gedankenergüsse finden in diesen Seiten Einzug. Aber was ich hier einstelle, ist uneingschränkt von mir.


Manche Sachen sind eher lustig, mache sollen zum Nachdenken anregen und einige mögen auch ein wenig skurril daherkommen. Einige schreibe ich aus Langeweile, einige zum ver- und aufarbeiten meiner Gedanken. Einige Geschichten sind frei erfunden, andere geben, zumindest in Grundzügen, wahre Begebenheiten wider.


Aber alle sollen Spaß beim Lesen bereiten. Mir und auch anderen Lesern.Viel Spaß also beim durchstöbern und lesen meiner Schreibereien wünscht Euch Korinthe

Mehlige Angelegenheiten

Ihr wollt eine Mail loswerden? Drohbriefe? Kommentare geheimer Natur? Anregungen? Erregungen? Dann tipp-tipp-tipp und ab geht's an: . Korinthe at gmx dot net .

Aktuelle Beiträge

Ich gestehe ja, dass...
Ich gestehe ja, dass auch ich als radfahrender Verkehrsteilnehmer...
girico - 26. Nov, 13:45
FDP-Abgeordneter in Horn-Lehe...
Artikel aus dem Weser-Kurier vom 22.04.2010 FDP-Abgeordneter...
Korinthe - 30. Apr, 08:54
Open Stage - Ein Erlebnis...
Tja, dann möchte ich mal von unserer pressebeworbenen...
Korinthe - 28. Apr, 12:53
Alles für Eine - eine...
Der fette Typ, der breitbeinig auf dem neuen Sofa saß,...
Korinthe - 1. Apr, 19:31
Laura - unverstanden...
Da ist die Lütte gerade aus den Windeln heraus, hat...
Korinthe - 24. Dez, 11:03

Hier schaue ich gerne mal rein:

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Status

Online seit 7137 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 26. Nov, 13:45

Credits

Web Counter-Modul


Aus dem Alltag eines Rentners
Aus spitzer Feder...
Das passiert halt so...
Gedichte aus gegebenem Anlass und andere Ergüsse...
Kurzgeschichten, die das Leben nicht besser schreiben könnte...
Motzereien aus heiterem Himmel...
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren