Dienstag, 10. April 2007

Schwiegermutter Teil 2

Nein, eigentlich hasse ich sie gar nicht ( mehr ). Sie ist mir einfach gleichgültig. Ich empfinde ihr gegenüber nichts - gar nichts.

Ich war im Krankenhaus. Sie sieht nicht gut aus, aber ihr Herz ist deutlich kräftiger als meins. Die Ärzte können noch nicht viel sagen, aber auf eigenen Füßen wird sie wohl nie wieder gehen können. Das bedeutet auch, dass sie nicht mehr in ihr Haus kommen wird. Ab morgen soll das Schlucken trainiert werden, damit sie zumindest selbst essen kann. Warten wir es ab - was sonst.

Ich war heute mit meiner Liebsten im Haus. Wer es nicht selbst gesehen hat, der wird uns nicht glauben, was dort los ist. Ich habe einige Bilder gemacht. Zur Erinnerung? Aus reiner Ungläubigkeit, was aus dem Haus geworden ist? Keine Ahnung, aber ich hatte einen Klos im Hals.

Nun sitze ich hier und schaue die Fotos an. Ich denke an die 5 Schwestern, die es noch nicht geschafft haben, sich zusammen zu setzen und zu reden. Sie sind so unterschiedlich, wie man nur sein kann. Jede verdrängt die Situation auf ihre Art. Und sie lassen sich von den Ereignissen überrennen und scheinen zu hoffen, dass ein Wunder geschieht.

Und ich denke an das Jahr 1993, als mein Vater starb. Aber das ist eine längere Geschichte für sich ...
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Sonntag, 8. April 2007

Das musste ja einmal kommen ...

Meine Schwiegermutter war immer schon schwierig. Wirklich schwierig. Und da es mich beschäftigt, obwohl ich es immer verdrängt habe und es mir eigentlich vollkommen egal sein sollte, möchte ich hier einfach einmal den Müll loswerden.

Ich nenne sie Johanna. Johanna, also meine Schwiegermutter, lernte ich vor etwa dreißig Jahren kennen. Eine stämmige Frau, kräftige keifende Stimme, fünf Töchter in allen Altersklassen und einen Ehemann, dem sie bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit eine spitze Bemerkung an den Kopf warf. Dieser nahm es gelassen hin. Eine Seele von Mensch. Immer lustig und hilfsbereit.

Johanne hatte es noch nie so richtig mit Organisation und Haushalt. Vadder machte dann auch hin und wieder Klarschiff. Er räumte und schmiss weg. Und er erduldete die nachfolgenden, nahezu endlosen Tiraden Johannas in aller Demut. „Das hätte man noch gebrauchen können“ und „wenn ich nicht das Geld zusammenhalten würde, würden wir verhungern“ waren nur wenige ihrer Sprüche. Aber die Kinder und die Nachbarn applaudierten leise und verhalten.

Vadder verstarb vor zweiundzwanzig Jahren an Lungenkrebs. Seit zwanzig Jahren lebt Johanne allein in dem schmucken kleinen Reihenhaus. Irgendwann stellte sie sämtliche Arbeiten im und am Haus ein. Ihr Kommentar: “Wem es nicht gefällt, der kann ja wegbleiben.“ Und sie blieben weg.

Spätestens seit der Aktion schöner Garten ist das früher so hoch gehaltene Familienleben zerbrochen. Diese Aktion war eigentlich eine Hilfsaktion, an der fast alle Töchter und Schwiegersöhne Johannas beteiligt waren. Die älteste Tochter lud Johanna ein paar Tage ins Rheinland ein, Tochter zwo, drei und vier erschienen am 3.Oktober in Johannas Haus, bewaffnet mit Werkzeug, Putzmitteln und Abfallsäcken. Tochter fünf und ihre Familie ( die Johanna bis zum letzten Jahr immer heimlich unterstützt hat ) sind eine lange und unerfreuliche Geschichte für sich.

Dieser 3. Oktober vor einigen Jahren war sonnig und warm. Gleich morgens um kurz nach neun Uhr begann ein munteres Werkeln. Es wurden Fenster geputzt, Bäume und Büsche geschnitten, Beete vom Unkraut befreit, Säcke über Säcke an Gartenmüll und Abfall in die Kombis geladen. Die Nachbarn, durch das geschäftige und sehr ungewöhnliche Treiben aufgescheucht, kamen an den Zaun und dankten uns durch Zuspruch, Applaus und Eis und Getränke ( nicht nur für die mitarbeitenden Kinder).

Bei Sonnenuntergang waren wir alle fix und groggie, aber das Haus und der vordere und hintere Garten sah halbwegs manierlich aus.

Zwei Tage später holten wir Johanna vom Zug ab und brachte sie in ihr „neues“ Heim. Sie war ausgesprochen still, als sie unsere Arbeit präsentiert bekam. „Naja, sieht ja nett aus…“, sagte sie nur.

Eine Woche später riefen Nachbarn bei uns an. Johanna erzählte allen, wir wären bei ihr eingebrochen und hätten sie bestohlen. Das schöne Holz der abgesägten Sträucher und Bäume hätte sie doch verfeuern können. Die Kinder hätten ihr alle Blumenzwiebeln untergegraben oder gestohlen. Ein Blumentopf wäre zerbrochen. Alles vollkommen sinnlos zerstört. Dann hätten wir … Wir schworen alle, dass wir nie wieder bei ihr irgendetwas machen würden. Haben wir dann auch nicht. An diesem Tag kündigte ich ihr alle restliche Sympathie.

Ihr Gesundheitszustand wurde mit den Jahren schlechter. Erst reichte ein Rollator, dann ging nicht einmal mehr das. Sie wohnte im Wohnzimmer, weil sie nicht mehr die Treppe nach oben schaffte. Immer mehr Müll sammelte sich im Haus. Der Begriff Messie wurde nicht nur einmal genannt. Zu Recht. Die Jüngste kam noch hin und wieder, aber Johanna wollte keine Hilfe und redete schon recht komisch ( wieso Staub saugen? Mach lieber mal den Fleck da an der Tür weg, wenn Du hier schon Unordnung machen willst… ). Die andere Tochter ( zu der wir schon seit vielen Jahren keinen Kontakt haben ), wurde von Johanna noch regelmäßig besucht, ihr Sohn half auch im Kleingarten, aber hier ging es wohl nur um Geld. Der Stundenlohn, den sie ihrem Enkel für einfache Gartenhilfe zahlte, hätte auch für einen richtigen Gärtner gereicht. Aber seit die Forderungen wohl zu hoch wurden und Johanna den Geldhahn auf „klein“ oder „aus“ drehte, ist dort nur noch Schweigen. Als unter den anderen Schwestern angedacht wurde zu helfen – nun gebt ihr doch noch eine letzte Chance – sagten die Schwiegersöhne: Wie viele letzte Chancen braucht sie denn noch?

Fazit: Mudder ist nun ganz allein. Seit sie kaum noch in den Kleingarten gehen kann, hat sie nicht einmal mehr ihre Gartennachbarn, die sie mit Freibier bewirtete, und die nicht selten duselig vom Hof gekrochen sind.

Ihr Gesundheitszustand nahm noch weiter ab. Muskelschwund, Knochen werden porös, Gedächtnisprobleme, praktisch nicht mehr mobil. Der Rat der Kinder: Bitte geh in ein betreutes Wohnen, wir können nicht helfen ( obwohl die Älteste immer versucht, meiner Liebsten – als lokal am Nächsten – ein schlechtes Gewissen einzureden: Du könntest doch…, Du solltest…, Du bist doch… ).
Johannas Antwort: „Wenn Ihr mich hier raus haben wollt, dann nur mit den Füßen zuerst…“

Gründonnerstag war es dann soweit. Die jüngste Schwester findet Mudder auf ihrem Stuhl. Erster Verdacht – Schlaganfall. Die linke Seite komplett hin. Notarzt, Krankenhaus.

Eine Hirnblutung war es. Ärzte… na ja, die kommen ja erst am Dienstag wieder. Bis dahin kann man ja abwarten. Es geht ihr den Umständen entsprechend. Künstliche Ernährung ( Schlucken geht nicht ), Tropf usw. Große Schwester auch angereist, Blick in das verwaiste Haus geworfen ( seit 10 Jahren das erste mal ) und spontan gefragt, wie das denn nun angehen könne, dass das hier so aussieht…

Ihre Mobilität wird wohl nie wieder. Nun muss man sich Gedanken machen, wo wir sie unterbringen. Dazu muss das Haus weg. Aber ohne Mudders Unterschrift geht das nicht. Sie hat ja noch 50% daran Anteil. Wird sie die Unterschrift geben? Wer soll ihr sagen, dass sie ihr Haus nie wieder betreten wird?

Die Schwestern halten sich wacker. Ich selbst empfinde gar nichts. Das mag herzlos klingen, aber so ist es. Johanna hat ihr Leben lang Gift versprüht, andere des Diebstahls bezichtigt ( auch unsere Kinder, als sie noch klein waren ), immer schlecht über andere geredet, aus reinem Egoismus Hasstiraden ausgestreut, ihre Kinder angegiftet und untereinander ausgespielt ( wie oft ist meine Liebste nach nur einem kurzen Telefonat in Tränen ausgebrochen ) … Sie wird mir nicht fehlen. Im Gegenteil. Und auch die anderen Schwiegersöhne empfinden ähnlich.

Trotzdem graut mir vor den Monaten, die nun vor uns liegen. Spannend wird es auch, wie es unter den Schwestern zugehen wird, wenn es an das Verteilen und Bezahlen geht.

Ich stehe daneben und kann ( und will ) nichts machen und mich einmischen. Ratlosigkeit, vielleicht ein wenig Zwietracht und Gekabbel… und Mudder mitten drin und freut sich einen Stint, dass sie noch mal so richtig einen aufgemischt hat…

Es wundert mich, dass ich zu solchem Hass fähig bin …

Samstag, 17. März 2007

Tresenkrieg...

Menno!

Da hatten wir gestern einen Auftritt in einer "Musikkneipe".

Yo. Nicht nur, dass wir praktisch keinen Platz auf der "Bühne" hatten ( ich musste mich immer auf meinen Platz einfädeln ), der Rest stimmte auch irgendwie nicht ...

Der Wirt hatte keinerlei Reklame gemacht. Unsere Bemühungen kamen zu spät. Und dann:

Mehr als 70 % der Gäste haben wir mitgebracht. Und das, obwohl der Laden total leer war. Von den anwesenden ( knapp ) 30 Gästen, waren 6-8 Stammgäste. Die waren

... absolut unkonzertant.

... angetrunken bis zur Schmerzgrenze ...

... störten durch lautes Gerede, ignorantes Rumgelaber ...

und haben dadurch

"ihre Kneipe" erfolgreich gegen Fremde ( also uns ) verteidigt.

Dem Wirt war es sichtlich unangenehm, aber er wollte natürlich seine "Stammgäste" nicht vergraulen.

Wir haben 3 Sets gespielt und sind dann gegangen. Himmel, was für ein Desaster. Die Säcke waren lauter als wir. Sie haben uns regelrecht niedergebrüllt, obwohl wir mit Verstärker da waren.

Mein Freund und ich haben beschlossen, dass wir nicht mehr in einer Kneipe Musik machen. Die Kulturzentren sind da wesentlich besser. Weniger Leute, aber alle interessiert und willig. Wir haben es nicht nötig, uns ignoranten Saufköppen aufzudrängen!

Einhellige Meinung aller interessierten ( und weit gereisten ) Zuhörer:
So eine primitive und ignorante Kneipen-Sauf-Subkultur ( in Bezug auf Livemusik ) gibt es nur in Deutschland.

Heute habe ich mit ein paar Freunden wirklich schöne Musik gemacht. Gott sei dank, sonst hätte ich mir mit meinen Depressionen das ganze Wochenende versaut.

Salut, der olle
Korinthe
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Freitag, 9. März 2007

Diese blöden Säcke..

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Ich wollte heute früh ein paar Sachen in den Müll bringen. Platsch... auf der letzten Stufe knicke ich mit dem rechten Fuß um ( knick-knack bis in die Haarwurzeln ) und liege da ausgestreckt wie eine platte Fliege auf dem Gehweg. Na toll. Zumindest regnete es nicht, und ich lag trocken. Mein Kreislauf verabschiedet sich und die Sterne des mittlerweile dunklen Himmels leuchteten. Schmerz bis zur Tränengrenze. Ich rufe da mal ein wenig "Hallo, hört mich wer...". 8 Parteien im Haus, Sturz nicht gerade leise, Klappern von Geschirr durch die offenen Fenster, aber... nix! Gar nix! Eigentlich unmöglich, dass das kein Mitbewohner gehört hat...

Zum Glück war ich nach etwa 5 Minuten wieder so klar, dass ich mich an das Schnurlose in der Tasche erinnerte. Also Auskunft angerufen und an die Nachbarn von ganz oben durchstellen lassen. Die haben mich dann in den ersten Stock in meine Wohnung gebracht und auf meinem Stuhl abgelegt. Ach nee - und kaum war ich in der Wohnung, klappert erst unten eine Wohnungstür und dann die Haustür, die wir offen gelassen hatten. Diese Säcke... haben mich da im Dreck liegen lassen...

Zum Glück ist nichts gebrochen und die Bänder nicht gerissen. Aber höllisch weh tut's. Und Morgen haben wir einen Auftritt - und am Freitag nächste Woche auch. Aua, muss wohl für einige Zeit die Zähne zusammenbeißen.

Nur gut, dass es nicht die Hände sind. So kann ich wenigstens noch Gitarre spielen und auf dem Laptop hämmern.

Säcke die. Meine kleine Hassmütze passt mir wieder....
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Mittwoch, 7. März 2007

Sicher ist sicher...

„Ronald, da kommt ein Radfahrer. Vorsicht!“ Ronald nickt und bremst sanft an der Straßeneinmündung ab. „Ronald, Du hast den Blinker vergessen“ sagt sie weiter. Ronald schaut auf die kleine grüne Kontrolllampe, die schon eine Weile lautlos vor sich hinblinkt. „Da vorne steht ein Wagen, lass den Gegenverkehr erst durch. Mach lieber mal das Licht an, dann können uns andere besser sehen.“ „Ja, Sophia mein Herzblatt…“ erwidert Ronald und denkt sich seinen Teil. Immerhin ist er seit fast dreißig Jahren mit seiner Sophia verheiratet.

Ronald hat seinen Führerschein nun länger als drei Jahrzehnte. Hunderttausende von Kilometern hat er seitdem mit Autos, Taxis, Krankenwagen, LKWs, Omnibussen und Straßenbahnen im In- und Ausland unbeschadet hinter sich gebracht. Zwei unverschuldete Blechschäden mit dem Omnibus, vier Knöllchen wegen etwas zu hoher Geschwindigkeit, drei überzogene Parkuhren und eine Zahlungsaufforderung von 510 Dänenkronen wegen einer vergessenen Parkscheibe auf dem Parkplatz eines dänischen Supermarkts haben sich in der langen Zeit aufsummiert. Nie einen Punkt in Flensburg. Nicht gerade ein Anzeichen dafür, dass Ronald ein unaufmerksamer Autofahrer wäre.

Ronald verkneift sich darauf hinzuweisen, dass nicht er es war, der in den neuen Golf diverse Beulen und Schrammen hinein gefahren hat. Erst war das Garagentor zu klein, dann Stand eine Wand im Weg und neulich war der rechte Stahlrahmen des Garagentors zu nah an der Ausfahrt. Seit alle Mitglieder seiner Familie einen Führerschein haben und nicht mehr er allein fahren darf, hat das neue Auto mehr Lack verbraucht, als Motoröl. Das ist bitteres Geld und glücklicherweise kam ja die Versicherung für die anderen kleinen Unfallschäden auf, die seine liebe Gattin in den letzten Jahren mit diesem und den anderen Familienautos hatte. Auch über die kleine Fotoserie seiner Lieben, die er in einem Schächtelchen zusammen mit den Einzahlungsbelegen an die Landeshauptkasse aufbewahrt, verliert er kein Wort. Nein, Ronald ist nicht nachtragend und würde diese Dinge nie anderen gegenüber erwähnen.

Als Ronald neulich in der Zeitung gelesen hatte, dass ab einem gewissen Alter die Fahrtüchtigkeit kontrolliert werden soll, musste er unwillkürlich schmunzeln. Seit er vor 28 Jahren mit der Personenbeförderung begonnen hat, steht er unter ständiger Kontrolle. Jeder Fahrgast ist Fahrprüfer, jeder andere Verkehrsteilnehmer beurteilt seinen Fahrstil. Das ist ihm nicht neu. Und im privaten Bereich hat er ja seine Angetraute und, seit sie einen Führerschein haben, auch seine Söhne. Gerne geben sie ihm beim Fahren wertvolle Tipps, wie er im heutigen Straßenverkehr besser zurechtkommt und helfen ihm durch unaufgeforderte und selbstlose Kommentare, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und sein Verhalten im modernen Verkehrsalltag zu verbessern.

Seine Sophia geht noch einen Schritt weiter. Wenn sie Hand in Hand durch den Einkaufspark gehen, steuert sie lautlos ihren Ronald durch leichtes Ziehen und Drehen im Handgelenk. Wie bei einer kleinen Fernsteuerung, die wir von Spielzeugautos kennen. Ein leichter Dreh nach links, ein leichter Dreh nach rechts, ein Drücken nach vorn heißt „Geh Du mal vor…“ und ein kräftiges Ziehen nach hinten bei gleichzeitigem starken Linksdreh ist für eine Vollbremsung mit Ausweichmanöver.

Nein, vor einer offiziellen Überprüfung seiner Fahrtauglichkeit hat Ronald keine Angst. Aber er meint, man solle auch die Verkehrstüchtigkeit der Bei- und Mitfahrer kontrollieren.
Sicher ist sicher.
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Donnerstag, 1. März 2007

Die Post... man sollte sie...

Gerade in den letzten Tagen las ich wieder mehrere Leserbriefe in unserer Tagespresse, die sich mit verschwundener ( wörtlich: abgefischter ), fehlgeleiteter oder nicht zugestellter Post beschäftigten. Dramatisch, was diese arroganten Postler sich da leisten. Mir kommt nicht nur der Mageninhalt hoch, wenn ich daran denke, dass wir als Kunden dieser Dienstleistungs-Maffia absolut hilflos dastehen.

Meine eigenen Erlebnisse mit der Post sind sicher Peanuts im Vergleich zu manchen anderen Kunden, die um tausende von Euro mit diesem Verein streiten ( besonders im Bereich der DHL ). Trotzdem sind sie nicht minder unschön und nervig.

Hier also eine meiner "Postgeschichten".

* * *



Es war letzten Oktober, als ich den Einschreibebrief aus Österreich persönlich entgegennahm, Der Brief war seitlich aufgeschlitzt und die enthaltenen 50 Euro waren weg. Das war für mich Grund genug, den Rest des Tages ausgesprochen missgestimmt zu sein. Die Briefzustellerin quittierte mir den Schaden, ich rief sofort bei der Hotline der Post an und meldete den Schaden.

Snipp…

Als ich zwei Wochen später die gleiche Nummer anrief, sagte man mir, es wäre sicher ein Versehen, dass ich noch nichts gehört hätte. Man werde sich kümmern.

Snipp…

Eine Woche später erhielt ich ein Schreiben, in dem man mir mitteilte, dass gemäß der Regelung des aktuellen Weltpostvertrags und deren ergänzenden Bestimmungen ein Versenden von Bargeld in Einschreibebriefen gar nicht zulässig sei und ich ( sinngemäß ) selber Schuld bin, dass da was wegkommt. Sie bedauern, bedauern, bedauern…. Keine Entschädigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten.

Snipp…

In einer Antwortmail an die unterzeichnende Sachbearbeiterin schrieb ich in etwa so:

… habe mich damit abgefunden, dass rund 30 % meiner Glückwunsch- und Kondolierungsbriefe auf dem Transportwege verschwunden sind…

… dass der Post es doch wohl egal sein darf, was da im Einschreiben enthalten ist, denn die Haftung geht bis etwa 38 Euro…

… dass Unannehmlichkeiten eigentlich das sind, wenn einem die Straßenbahn wegfährt. Nicht, wenn man offensichtlich bestohlen wird …

… dass sicher nicht in den Regelungen des aktuellen Weltpostvertrags und deren ergänzenden Bestimmungen steht, dass Mitarbeiter der Post und deren außerbetrieblich Beauftragten dazu ermächtigt sind, Privatpost nach eigenem Ermessen zu öffnen, den Inhalt auf Verwertbarkeit zu inspizieren und gegebenenfalls sich anzueignen…

… und dass schon im ältesten Regel- und Gesetzeswerk – der Bibel – geschrieben steht, dass Diebstahl eine Straftat ist, die zu ahnden sei.

Man möge doch bitte noch einmal prüfen. Und, damit man auch entsprechend motiviert zur Sache geht, ging diese Mail als CC an den Verbraucherschutz, die Tagespresse und unseren Anwalt.

Snipp…

Ei da schau her… Die Vogel-Strauss-Methode der Sachbearbeiterin funktionierte dieses Mal nicht, denn ich hakte schon nach 10 Tagen des Schweigens nach.

Dieses Mal wies ich darauf hin, dass ich einer dieser renitenten und hartnäckigen Frührentner mit zuviel Zeit bin, die, so sie sich erst einmal in ein Thema vertieft hätten, auch nicht so leicht locker ließen. Ich erklärte ihr kurz, dass man vor einem Mailprogramm keine Angst haben muss, dass das Antworten ganz einfach ginge ( in dem man bei der empfangenen Mail nur auf den Schaltknopf ANTWORTEN klicken braucht ) und ich nun, da ich auch ein wenig aufgeregt wäre, mit höchster Spannung auf ihre Eingangsbestätigung warten würde.

Die kam postwendend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Immerhin kommunizierte ich ja mit dieser. Vielleicht war aber auch ausschlaggebend, dass ich die Mail – wie ja die erste auch – an die bekannten Empfänger als CC schickte.

Nachdem ich mit Freude einen zweispaltigen Artikel über meine kleine Differenz mit den Postlern in der Zeitung las, kam auch ein Schreiben der mir nun bestens bekannten Sachbearbeiterin. Inhalt wie gehabt. Wir bedauern, bedauern, bedauern… Keine Ersatzleistung.

Ich erwog noch kurzzeitig, bei der Polizei eine Anzeige zu machen. Zumindest sollte sie dieser Vorgang deutlich mehr kosten, als eine gut gemeinte Erstattung oder Entschädigung. Das verwarf ich jedoch und suchte mir andere Opfer, die ich mit meinen Schreibereien quälen konnte. Ich sagte es ja bereits: ich bin Rentner…

Die Sache war für mich eigentlich abgehakt. Aber heute las ich einen Artikel in der Tagespresse, in dem von Personalreduzierung und Schließung von Postfilialen die Rede war. Das war doch noch einmal Anlass genug, meiner guten Bekannten bei der Beschwerdestelle der Post eine Mail zu senden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit übergroßer Freude las ich heute in der Tagespresse ( Weser-Kurier vom 06.12.2006 ), dass Ihre Personaldecke zunehmend dünner wird.

Ich hoffe inständig, dass nun endlich ein paar gut bezahlte nutzlose Beamtenposten eingespart werden können. Auch mögen die absolut ahnungslosen Callcentermitarbeiter, die mit ihrem aufdringlichen Geplapper und absolut nutzlosen Hinweisen und Ratschlägen mein Geld und meine Zeit stehlen, dem innerbetrieblichen Kehrbesen als Nahrung dienen. Ich hoffe ebenso inständig, dass der zukünftigen Personenverschlankung auch diejenigen Objekte zum Opfer fallen werden, die sich an fremdem Eigentum widerrechtlich bereichern. Und das eben diese Herr- und Damschaften gleich die Verantwortlichen mit sich in den nach unten offenen Arbeitslosenmarkt mitnehmen, die dieses stillschweigend dulden und es ablehnen, dafür Verantwortung zu zeigen, dem Kunden zumindest der Form halber eine minimale Entschädigung anzubieten und damit ein Minimum an schlechtem Gewissen zu signalisieren.

Möge es endlich zu einer Privatisierung des Briefverkehrs kommen.

Amen.

Ohne Gruß

Unterschrift



Sicher, nützen tut solch eine Mail gar nichts. Aber ich fühlte mich schon ein wenig besser, als ich den "Senden"-schalter anklickte.

Was ich noch sagen wollte...

Ab und zu schreibe ich eine Geschichte, ein Gedicht oder sonst irgend einen Unsinn. Nicht alle meine Gedankenergüsse finden in diesen Seiten Einzug. Aber was ich hier einstelle, ist uneingschränkt von mir.


Manche Sachen sind eher lustig, mache sollen zum Nachdenken anregen und einige mögen auch ein wenig skurril daherkommen. Einige schreibe ich aus Langeweile, einige zum ver- und aufarbeiten meiner Gedanken. Einige Geschichten sind frei erfunden, andere geben, zumindest in Grundzügen, wahre Begebenheiten wider.


Aber alle sollen Spaß beim Lesen bereiten. Mir und auch anderen Lesern.Viel Spaß also beim durchstöbern und lesen meiner Schreibereien wünscht Euch Korinthe

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