Freitag, 30. April 2010

FDP-Abgeordneter in Horn-Lehe unsanft gestoppt

Artikel aus dem Weser-Kurier vom 22.04.2010

FDP-Abgeordneter in Horn-Lehe unsanft gestoppt
Von Andreas Becker

Horn-Lehe. Als Radverkehrsbeauftragter seiner Fraktion ist es für Torsten Staffeldt Ehrensache: Zu Terminen in seiner Heimatstadt Bremen fährt der FDP-Bundestagsabgeordnete gerne mit dem Fahrrad. Dann ist der Politiker flott unterwegs - wenn er nicht unsanft gestoppt wird.

So geschehen an der Kreuzung Leher Heerstraße und Am Herzogenkamp. Staffeldt kam aus Richtung Luisental und trat kräftig in die Pedale, um noch schnell bei Grün geradewegs über die Kreuzung zu sausen. 'Kurz nachdem ich die Straßenbahnschienen überquert hatte, hat es mich dann fast aus dem Sattel gehauen', erzählt er. Gerade noch habe er sich am Lenker festkrallen und sein Rad auf Kurs halten können. Sonst wäre ein Sturz unvermeidlich gewesen, sagt er.

Des Rätsels Lösung war jedoch kein gezielter Anschlag auf die FDP. Schuld am Straucheln des Abgeordneten waren zwei längliche weiße Buckel auf der Fahrbahn, die der eilige Radler unvermutet überfahren hatte. 'Die Strecke fahre ich häufig, und diese Dinger waren vor zwei Wochen noch nicht da', ärgert sich Staffeldt.

Jens-Christian Meyer, Pressesprecher der Bremer Straßenbahn AG, kann den Sachverhalt aufklären. Tatsächlich seien die Barrieren kürzlich auf der Kreuzung montiert worden, um Autofahrer daran zu hindern, verbotenerweise links abzubiegen. 'Das ist ein Unfallschwerpunkt. Fahrzeuge haben hier mehrfach Straßenbahnen gerammt', so Meyer. Insofern kann er Staffeldts Kritik nicht nachvollziehen. Zumal sich auch Radfahrer an die Verkehrsregeln halten müssten. 'Vor der Barriere ist eine schraffierte Fläche, die nicht überfahren werden darf.'



Typisch Radfahrer! (?)

Das Beispiel des Abgeordneten und Radverkehrsbeauftragten Staffeld, Mitglied des ADFC, „Action brings good fortune“, zeugt wieder einmal davon, wie ignorant sich manche Radfahrer bewusst über bestehende Verkehrsregeln hinweg setzen und damit auch in Kauf nehmen, des eigenen Vorteils wegen, sich und andere Menschen fahrlässig zu gefährden. Und, wie man es auch von diesen Verkehrsteilnehmern kennt und gewohnt ist, beschweren sie sich lauthals und fordern ( Vor- ) Rechte ein, die ihnen eigentlich nicht zustehen. Wenn auch der Artikel ein wenig Humor nicht vermissen lässt, so ist er doch eigentlich bitter ernst zu behandeln. In diesem speziell gelagerten Fall wundert und ärgert sich der Herr Abgeordnete darüber, dass man an einem Ort, an dem er eigentlich mit seinem Fahrrad gar nichts zu suchen hat, "plötzlich" eine Schwelle installierte. Unglaublich, dass man ihn nicht vorher zu Rate gezogen hat. Zunächst, wie ja schon der Pressesprecher der BSAG sagte, ist diese Stelle schraffiert, was nicht nur dem Herrn Abgeordneten das Befahren grundsätzlich untersagt. Weiterhin zeugt es eindeutig von Unachtsamkeit, dass er dieses gut sichtbare Hindernis nicht frühzeitig erkennen konnte. Wäre er mit der nötigen Aufmerksamkeit während seines Fehlverhaltens als mündiger Verkehrsteilnehmer unterwegs gewesen, hätte er dieses, aus begründeten Sicherheitserwägungen errichtete Hindernis, problemlos umfahren können, wie man ja unschwer auf dem Foto erkennen kann. Zudem ist nur wenige Meter daneben eine Fahrradfurt ausgewiesen, die zu benutzen eigentlich angesagt gewesen wäre. Wäre er letztlich seiner Pflicht verkehrsgerechten Verhaltens nachgekommen und hätte sich seiner öffentlichen Vorbildfunktion entsprechend verhalten, hätte es ihn auch nicht "aus dem Sattel gehoben". Und dass er sich gerade an dieser exponierten und unfallträchtigen Stelle, wo täglich hunderte von jungen Menschen auf dem Weg zur und von der Schule unterwegs sind, ein solches Fehlverhalten leistet, zeugt nicht gerade davon, dass er seiner Aufgabe als verantwortungsvoller Radverkehrsbeauftragter in vollem Umfang gerecht wird.

In der Ausgabe des Stadtteil-Kurier vom Donnerstag, den 22.04.2010 schreibt Leserin Eva K., dass auch sie völlig überrascht war, als sie mit hoher Geschwindigkeit auf dieses Hindernis prallte, und sie es nur der besonders guten Qualität ihres Rades verdankt, dass sie ohne Blessuren und einem materiellen Totalschaden diesen dramatischen Moment überstanden hat. Auch in diesem Fall ist der Beweis gegeben, mit wie viel Arroganz sich manche Fahrradfahrer im öffentlichen Straßenverkehr bewegen und wissentlich und in voller Absicht bestehende Regeln für sich ablehnen und ignorieren - dem Beispiel des Herrn Abgeordneten folgend. Mit gleichem Recht könnte sich jeder motorisierte Verkehrsteilnehmer lauthals beschweren, wenn wir einmal in Horn / Oberneuland bleiben möchten, dass, wenn er das am Durchstich Büropark - Achterdiek stehende Einfahrtsverbotsschild ignorierend die wenigen Meter Richtung Achterdiek befährt, um den persönlichen Vorteil der Weg- und Zeitersparnis zu genießen, er möglicherweise entgegen kommenden Fahrzeuge ausweichen oder gar anhalten muss. Oder noch schlimmer: Er umdrehen und einen Umweg fahren muss, um zum Seerosenpark zu kommen, wenn sich ein wegelagernder Ordnungshüter am Achterdiek in Sichtweite abgestellt hat

Sehen wir nun noch einmal den Fall Staffeld und Leserin Kruse, grenzt es schon an eine Frechheit, sich nach bewusstem Fehlverhalten auch noch darüber in den Medien zu beschweren, dass man eine selbst verschuldete Unannehmlichkeit anderen anlastet, sie für mögliche Schäden verantwortlich machen will und eine sofortige Beseitigung dieses Hindernisses fordert, um weiterhin ungestört gegen das geltende Verkehrsrecht verstoßen zu können.

*

Das Fehlverhalten des Herrn Abgeordneten wäre ja vielleicht noch mit einem schadenfreudigen Lächeln zu quittieren, hätte man seinen zirkusreifen Sprung über das Hindernis selbst gesehen. Nun hat er jedoch diesen zum Anlass genommen, sich über die Medien – also den Weser-Kurier – als Opfer seines eigenen Unvermögens zu präsentieren und zudem anderen die Schuld dafür zuzuweisen.

Das ist, gelinde gesagt, nur noch peinlich und darf nicht unkommentiert bleiben.


In Brass, der olle
Korinthe

Mittwoch, 28. April 2010

Open Stage - Ein Erlebnis der besonderen Art

Tja, dann möchte ich mal von unserer pressebeworbenen Open Stage vom 23.04. berichten:

Einladung:
Es werden 5 Gruppen erwartet: 1x Rockabilly, 1x Swing, 1x Trio mit eigenen deutschsprachigen Liedern, 1x Bluegrass, 1x OldPicker und Kumpel ( Name dem Verfasser bekannt ). Werbung in Tagespresse und lokal im Stadtteil.

Nachfrage:
Veranstaltung im Café ( 20 Sitzplätze ), jeder bringt seine Anlage mit, für Bluegrass eigene Bühne im geräumigen Flur.

???

OldPicker: "20 Sitzplätze? 5 Gruppen? Eigene Anlage? Wir spielen ohne Anlage, der Raum ist einfach nicht groß genug. Wenn die Leute zum Zuhören kommen, wird es schon ruhig genug sein."

Der Abend:
Ankunft gegen 19:15 Uhr. Die Bühne für Bluegrass ist aufgebaut, mit Blickrichtung zum offenen Café. Bestückt mit feinster Elektronik, überall Kabel, Verstärker, Fußpedale, Notenpulte und sonstiges Gerödel. Drei Stühle. Abgetrennt davon das Café, aus dem man aus Platzgründen, da dort eine zweite Kleinbühne aufgestellt war, vier der zwanzig Sitze entfernt hatte. Diese Bühne bestückt mit zwei Schneeschaufeln in Kopfhöhe der dort sitzenden Musiker, öhmmm - Notenpulte natürlich, und drei Mikrofonen mit Ständer. Die drei Bluegrasser hockten am Rand ihrer Bühne herum, die drei Rockabillys meditierten um einen Tisch im Vorraum. Kumpel und ich ein wenig ratlos am Tresen.

Vorstellung bis 20:00 Uhr:
Begabte Kinder mit Migrationshintergrund, z.T. keine 10 Jahre alt, trugen Musik verschiedener Richtung vor. Vornehmlich Klassik auf Klavier, mit dem ganz eindeutigen Hinweis darauf, dass die beisitzende Mammi hohe Anforderungen an ihren talentierten Nachwuchs stellt. Außergewöhnlich, was die Kleinen da z.T. vortrugen! Respekt!

Publikum bis 20:00 Uhr:
Mammis, Omas und die anderen vortragenden Kids. Für zwei Mädchen kam sogar die betreuende Musikerzieherin, deren Namen ich vergessen habe, aber erinnerungsweise auch gar nicht hätte aussprechen können. Weiterhin der Moderator, seine Frau, ein Mann vom Stadtteilfernsehen, der BGZ-Schließer, die gute Seele vom Tresen ( ehrenamtlich ) und der allgegenwärtige Zivi. Summa: etwas 25 Personen, ohne Bluegrass, Rockabilly und Kumpel und mich.

Der Wechsel um 20 Uhr:
Fluchtartig, nach abschließendem Applaus, verlassen Mammi, Omi, Betreuerin und alle lieben und begabten Kinder das Café. Ein nichtbellender Hund folgt unangeleint mit hängendem Kopf.

Das Publikum um 20:00 Uhr:
Der Moderator, seine Frau, ein Mann vom Stadtteilfernsehen, der BGZ-Schließer, die gute Seele vom Tresen ( ehrenamtlich ) und der allgegenwärtige Zivi. Mit dabei weiterhin die drei Bluegrasser, zwei begleitende Ehegattinnen, die drei Rockabillys, Kumpel und ich. Man hört leise aus einem Nebenraum die fünf anderen Musiker sich einspielen.

Das Programm:
1. Rockabilly
Drei junge Leute mit zwei akustischen Gitarren und einem Kontrabass tragen Lieder von Bill Haley und den Beatles vor. Stark, fußwippend, mitsummend! Guter Vortrag. Bravo.

2. Sambagruppe im angrenzenden großen Saal
Das war allerdings nicht abgesprochen und wirkte, da zur gleichen Zeit wie die Rockabillys und in anderem Takt, ziemlich störend. "Davon war mir nichts bekannt", sagte der Moderator und versuchte die Tänzerinnen und Tänzer dazu zu bringen, etwas weniger Lärm zu machen. "Ätsch, das ist aber unser Probeabend..." und "Nööö..." war die Antwort. der allgegenwärtige Zivi brachte dann Ruhe ins Café, indem er eine mobile Wandtür einfach schloss.

3. Bluegrass
Auf der zweiten Bühne begann ein hektisches Auf- und Umstellen von Notenständern und Mikrofonen. Dann Einstellen und Pegeln der Verstärkeranlage.

Die Rockabillys verlassen die Veranstaltung, ihr Auftritt sei vorbei und sie wollen noch Fußball gucken.

Die Bluegrasser fangen an zu spielen, der Frontmann bricht ab, ruft seinen Kollegen zur Ordnung und erklärt ihm ein paar Griffe. Neuanfang des Liedes mit von jedem individuell gestaltetem Endakkord. Die Darbietung insgesamt ist... interessant(?) und bietet hinterher ausreichend Stoff zur Diskussion unter den Musikerkollegen.

Im Raum mittlerweile:
Der Moderator, seine Frau, ein Mann vom Stadtteilfernsehen, der BGZ-Schließer, die gute Seele vom Tresen ( ehrenamtlich ), der mittlerweile gelangweilte und allgegenwärtige Zivi, die beiden begeisterten Ehegattinnen, die drei Bluegrasser, Kumpel und ich.

Ende Bluegrass, frenetischer Beifall der begeisterten Ehegattinnen und Ansage des Moderators - über die Verstärkeranlage, da das Hörvermögen der Anwesenden durch die etwas erhöhte Lautstärke der Bluegrasser vorübergehend beeinträchtigt wurde - der

4. Swingband
Nach einer zweiten Aufforderung, kamen die fünf Swingmusiker aus dem Keller. Drei nahmen auf dem kleinen Podium Platz ( wir erinnern uns, das ist jenes, welches im Café aufgebaut war und den Platz von etwa vier der zwanzig Sitzplätze belegte ). Zwei mischten sich unter das Publikum, welches nun aus dem Moderator, seiner Frau, einem Mann vom Stadtteilfernsehen, dem BGZ-Schließer, der guten Seele vom Tresen ( ehrenamtlich ), dem mittlerweile höchst gelangweilten und allgegenwärtigen Zivi, den beiden begeisterten Ehegattinnen, zwei der drei Bluegrassern ( einer hatte seine Instrumente gepackt und hatte wort- und grußlos das Café verlassen ), Kumpel und mir bestand.

Gespielt wurde auf Klarinette ( sehr gut ), Gitarre ( vom Blatt, aber doch sehr ordentlich, wenn auch nicht authentisch ) und Akkordeon ( gruselig bis dramatisch ).

Nach fünf Stücken verhaltener Applaus der Anwesenden und gegen 22:10 Uhr Wechsel zum

5. Trio mit deutschsprachigen, eigenen Liedern

Der Akkordeonspieler, mit Ray-Ban-Sonnenbrille, blieb gleich sitzen, um die in schrillem orange gekleidete Sängerin instrumental zu unterstützen. Der unvermeidbare Gitarrist nahm zu ihrer Linken Platz. Leider war die Aussteuerung der Instrumente und Stimmen nicht so stimmig ( es wurde ja weiterhin auf Anlage gespielt, was ich bislang zu erwähnen vergaß ). Vielleicht war dieses mit der Grund, weshalb die zum Publikum degradierten Anwesenden die "Mit unserem nächsten Stück..." angekündigten Kunstwerke nicht in vollem Umfang würdigen und genießen konnten.

Der Applaus war höflich, motivierend und wohlwollend.

Es war dann so gegen 22:45 Uhr, als dann endlich

6. Kumpel und OldPicker

das kleine Podium besteigen konnten. Wir begrüßten herzlich den Moderator, seine Frau, einen Mann vom Stadtteilfernsehen ( im Gehen begriffen ), den BGZ-Schließer ( der zwischenzeitlich schon einmal seine Schließrunde hinter sich gebracht hatte: hier kommt keiner mehr raus ohne mich ), den mittlerweile höchst gelangweilten, maulig dreinblickenden und allgegenwärtigen Zivi ( die gute Seele vom Tresen ( ehrenamtlich ) war mittlerweile gegangen ), die beiden tratschenden Ehegattinnen, einen fast schlafenden und einen mit den Ehegattinnen ins Gespräch vertrieften Bluegrasser ( einer hatte ja, ich wiederhole mich, seine Instrumente gepackt und hatte wort- und grußlos das Café verlassen ), eine grinsende Sängerin ( die der Moderator nach dem sechsten eigenen Lied gebeten hatte, bitte zum Ende zu kommen, es sei schon spät ), einen Akkordeonspieler ohne Akkordeon, aber mit Ray-Ban-Brille, einen guten Gitarristen, der aber auch schon seine Gitarre einpackte, einen anderen Gitarristen ( der sich selbst wohl schwor, vor dem nächsten Auftritt ein wenig mehr zu üben ) und noch einem anderen Herrn, der aber nicht wirklich zuzuordnen war.

Zunächst bat ich darum, dass man das vor uns aufgebaute Gerödel entferne: also Notenpulte ( Wie? Habt Ihr keine Texte dabei? ) und diese ollen Mikrofone ( Leute, wir sind doch unter uns. Machen wir es uns kuschelig und gemütlich, dann brauchen wir keine Verstärker ).

Alles Bestens! Gleich Ölf Uhr und es kann abgehen.

Ein Blick auf meinen Freund Kumpel, und meine Musikwelt geriet ins Wanken. Kumpel, mein Profi, mein Freund, mein Mitspieler, war kreideweiß, zeigte unkontrolliertes Zittern in beiden Händen und stammelte: "Wir müssen das Set ändern, ich kann nicht. Spiel was einfaches, wo ich strummen kann..."

???

Oooops....

Ok, krieg ma. Einfach. Gut, na denn.

Mein stimmgewaltiger Kumpel, raspelnd und von Zitteranfällen geschüttelt, mogelt sich durch die ersten zwei Stücke.

Lass uns das spielen, bat ich, denkend, dass er nun wieder OK wäre. Eine Strophe, Klimperklimper, Abbruch. Ich kann nicht, ich bin so nervös. Unkontrolliertes panisch-heftiges Zittern. Ich bin erschüttert, Kumpel sagt: Kann ich nichts machen. Das ist bei mir so.

Trotzdem gab es Applaus, denn sooo schlecht war es ja nicht. Nur, dass wir eben einige unserer schöneren Stücke nicht bringen konnten.

Verabschiedung der Anwesenden. Es ist Viertel vor Zwölf.

Ich klimpere noch ein wenig, während die anderen einpacken. Ich weiß nicht, was ich von Kumpel halten soll; sicher, er wird vor einem Auftritt immer ein wenig nervös, aber das am heutigen Abend toppt alles. Kaum möglich, mit ihm noch einmal so etwas zu machen, denke ich mir und verwerfe den Gedanken gleich wieder.

Aber ein leichter Geschmack von Angst bleibt bei mir, wenn Kumpel und ich wieder dabei sein sollen, dabei bei der

Open Stage


*

Liebe Grüße an alle Musikerkollegen vom ollen
Korinthe

Donnerstag, 1. April 2010

Alles für Eine - eine Kurzgeschichte

Der fette Typ, der breitbeinig auf dem neuen Sofa saß, betrachtete eher uninteressiert den qualmenden Brandfleck, den er eben mit seiner Zigarette fabriziert hatte. Er versuchte die noch schwelende Glut wie eine lästige Fliege wegzuwedeln. Schließlich kippte er die letzten Tropfen aus seiner Bierflasche darüber. Er klopfte noch zwei Mal auf den entstandenen Flecken und wischte seine Hand an der schmierigen Trainingshose ab. Zufrieden grinsend kratzte er sich mit seiner fleischigen Pranke die mächtige behaarte Wampe und wandte sich wieder dem fünfzig Zoll Plasmafernseher zu.
„Scheißendreck. Jetzt habe ich den Ballwechsel verpasst“, grunzte er.
„He, Sanne!“ Seine dunkle gurgelnde Stimme rollte Richtung Flur.
„He! Sanne, eh! Bring mir mal ne Flasche Bier mit!“ Seine Augen folgten den kleinen Männchen in den bunten Trikots, die auf dem Bildschirm unermüdlich hinter einer winzigen weißen Kugel herliefen.
„Blöde Wichser. Wenn die faulen Säcke nich langsam hinmachen, steigen wir wieder ab.“ Er verzog missmutig das Gesicht.
„He, Sanne! Was is denn nu? Ich brauch ’n Bier, eh! Komm in die Hufe!“, grölte er ungehalten, ohne die Augen vom Fernseher zu lassen.
„Kannst dein scheiß Bier auch mal selber holen.“ Susanne Paulsen stellte maulig ein Becks auf den Tisch. Sie war klein und stark übergewichtig, trug ein viel zu enges T-Shirt und eine löchrige Leggins. Ihre schulterlangen, fettigen blonden Haare hingen ihr wirr vor dem Gesicht.
„Fresse“, antwortete der Typ. Ohne hinzusehen, griff er nach der Flasche. Als er trinken wollte, stutzte er und schaute auf.
„Und?“
„Was und…?“ Sie verzog das Gesicht und versenkte ihre kugelgleichen Hände zwischen zwei dicken Speckrollen.
Er hielt ihr die Flasche entgegen und glotzte sie an.
„Bist du zu bescheuert die aufzumachen?“
„Ach, leck mich doch!“, schnaufte sie und drehte ihm den Rücken zu. Watschelnd stieg sie über herumliegendes Kinderspielzeug und dreckige Wäschestücke und verließ den Raum. Der fette Typ zuckte mit den Schultern, setzte den Kronkorken an der Kante des kostbaren Glastischs an und zog die Flasche mit einem Ruck herunter. Nach einem leisen Plopp verschwand der Korken unter dem Sofa, und Schaum ergoss sich auf den fleckigen Teppich. Er hob die Flasche an den Mund und sog gierig das Bier in sich hinein. Als er absetzte, war fast alle Flüssigkeit daraus verschwunden. Er rülpste, stopfte den Rest seiner Kippe in die Flasche und lehnte sich entspannt zurück.
„Scheiß Fernseher. Viel zu klein. Kann man ja gar nichts drauf erkennen. Muss mich mal drum kümmern.“ Er stieß auf und klatschte seine Pranke auf den Bauch. Die andere Hand tastete nach den auf dem Sofa ausgestreuten Kartoffelchips. „Und ein Bier könnte ich auch gebrauchen“, nörgelte er halblaut. Emotionslos und mit halb geschlossenen Augen verfolgte Wolfgang Paulsen die letzten Minuten der zweiten Halbzeit.

„Hallo Papi“, säuselte Susanne nach ewig langem Klingeln in ihr Handy. „Na, Papilein, wie geht es dir denn heute?“ In ihrer Stimme schwang Besorgnis mit, die sich auch in ihrem Gesichtsausdruck widerspiegelte. Sie hörte sich einen Moment die schwachen Worte an, dann unterbrach sie.
„Du Papi, ich muss noch dringend einkaufen gehen. Können wir dein Auto nehmen? Wir wollten Stephan und Lena mitnehmen. Du hattest doch gesagt, du schenkst ihnen noch eine Hose. Ich komm’ dann eben das Geld holen.“ Sie wartete auf die Bestätigung und fuhr dann fort:
„Ach ja… Papi, wir sind gerade ein wenig knapp. Die haben uns schon wieder eine Mahnung für das Telefon geschickt. Die sind ja so doof. Dabei haben die das doch schon vor sechs Wochen abgeklemmt“, sagte sie entrüstet. „Kannst du uns noch einmal zweihundert vorschießen? – Ja? – Ach danke, Papi. Du bist der Beste. Bis gleich, Papi.“
„Mach mal dreihundert locker. Ich brauch noch Zigaretten und DVD-Rohlinge. Bier ist auch alle.“ Wolfgang lehnte in der Tür und paffte einen Glimmstängel. Das quengelnde Mädchen an seinem Bein schien er gar nicht wahrzunehmen. Erst als der kleine Bruder des Mädchens ihm mit einem Spielzeughammer auf seinen Fuß klopfte, stieß er beide mit einem Grunzen zur Seite. Das etwa vierjährige Mädchen begann sofort kreischend zu weinen, als es mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug.
„Wolle, du bist ein Arschloch“, sagte Susanne ein wenig aufgebracht, als sie das Kind tröstend auf den Arm nahm.
„Scheiß drauf. Dann schaff gefälligst diese bescheuerten Gören aus dem Weg.“ Wolfgang war sichtlich genervt, als er fragte:
„Und? Können wir jetzt endlich los? Ich hab keinen Bock den ganzen Tag auf dich zu warten.“
„Ja, ja. Ich komm ja schon.“ Sie schaute kurz auf seine speckige Trainingshose. Er blickte gleichgültig an sich herunter und rieb über einen dicken Fettfleck. Dann nahm er den Jungen am Hosenbund auf und schwenkte den vor Vergnügen quiekenden Knirps wie eine Einkaufstasche hin und her.
„Ich geh schon mal rüber zu deinem Alten. Vielleicht ist da noch ein Bier für mich. Hier ist ja nie was“, sagte er mit der Kippe im Mundwinkel, drehte sich um und ging zu Wohnungstür.
„Papa hat nie Alkohol im Haus. Das weißt du doch.“ Sie ließ ein unausgesprochenes „Blödmann“ durch den Raum gleiten. „He“, rief sie ihm nach, „nimm den zweiten Schlüssel mit. Er kann doch nicht mehr hoch. Und sag ihm, ich komm gleich mit Lena nach.“ Sie spuckte sich in die Hand und versuchte erfolglos, die verkrusteten Schokoladenreste aus Lenas Gesicht zu wischen.

Das Krankenbett mit den Sicherheitsgittern stand im Wohnzimmer. Paul Petrowski lag mit geschlossenen Augen in einer Wolke von Ausdünstungen. Sein Gesicht war grau und ausgemergelt, sein Atem schwach und unregelmäßig. Als stürmisch die Tür geöffnet wurde und Susanne mit Lena ins Zimmer rumpelte, versuchte er, die Augen einen Spalt zu öffnen. Wolfgang, der schon einmal in den anderen Zimmern nach brauchbaren Dingen Ausschau gehalten hatte, kam ebenfalls dazu.
Lena stellte sich ans Gitter und versuchte, zu ihrem Opa ins Bett zu klettern. Der dreijährige Stephan malte mit Opas Montblanc-Füller ein Bild auf dem Fußboden.
„Hallo, Papi“, flötete Susanne fröhlich. Sie stellte das Telefon auf den Boden, hob die Bettdecke einmal kurz an und schnüffelte. Das Zucken ihres Mundwinkels war nur kurz und verdrängte ihre gute Laune nicht.
„Papi, ich hab grad keine Zeit. Wir müssen mal ganz dringend einkaufen gehen. Aber nachher komme ich wieder. Versprochen, Papi.“ Sie strich ihrem Vater über das schweißnasse Haar.
„Trinken“, hauchte Petrowski und versuchte, seine Tochter mit den Augen zu erfassen.
„Klar, Papi“, sagte sie und goss ein wenig aus der Mineralwasserflasche in einen fleckigen Becher. Sie wählte einen von mehreren benutzten Trinkhalmen vom Boden, leckte ihn ab und steckte ihn in den Becher. Vorsichtig half sie ihrem Vater, den Trinkhalm an den Mund zu führen.
Mittlerweile hatte Lena es geschafft, zu ihrem Großvater ins Bett zu klettern, hüpfte vergnügt lachend am Fußende auf und ab und trällerte „Opi, Opi!“ Wasser schwappte aus dem Becher auf die Bettdecke.
„Sanne, mach hin“, knurrte Wolfgang, der es sich mittlerweile in einem Sessel bequem gemacht hatte und eine Zigarette rauchte. Er tippte ungeduldig auf sein Omega-Imitat. „Es ist zehn vor halb.“
Susanne nahm den Trinkbecher fort und stellte ihn neben das Bett.
„Papi, gleich kommt die Pflegeschwester von der Humanitas. Sag ihr mal, ich hätte heute noch keine Zeit gehabt und dass ich heute Nachmittag zum Saubermachen komme.“ Sie nahm Lena auf den Arm, die sich am Gitter festgeklammert hatte. „Sag Tschüss zu Opa.“ Sie hielt sie ihrem Vater vor das Gesicht. Lena sabberte einen Kuss auf seine kalte Stirn.
„Tschüss, bis nachher, Papi“, sagte Susanne, stellte das Telefon wieder auf die Bettdecke und winkte kurz mit der freien Hand. Sie nahm noch schnell drei Hunderter aus einem Umschlag und ein paar Schecks aus dem Schrank und verließ das Zimmer. Ihr Vater hatte schon längst wieder seine Augen geschlossen.
Im Flur schaute Wolfgang noch einmal in die Küche.
„Was is denn nun mit dem Espressoautomaten?“ Er zeigte mit dem Finger auf die neue Maschine, die Susannes Schwester Carmen vor kurzem für ihren Vater gekauft hatte.
„Ach ja.“ Sie überlegte kurz. „Egal. Nimm mit. Er trinkt sowieso nur noch Wasser.“
Wolfgang klemmte sich die Maschine unter den Arm und folgte Susanne in den Hausflur, wo Lena und Stephan mit einem Schlüsselbund gegen das metallene Geländer schlugen.

„Kann sich dein Alter nicht mal ein vernünftiges Auto kaufen? Nich mal ne Klima“, maulte Wolfgang, als er zwei leere McDonalds-Tüten über die Fahrersitzlehne nach hinten warf. Sie hatten den Golf in den letzten zwei Monaten, in denen es Paul Petrowski nicht mehr möglich war, das Haus zu verlassen, mehrmals pro Woche benutzt. Lena und Stephan saßen in ihren Kindersitzen und malten mit bunter Kreide ein Bild auf das Polster der Rückbank.
„Der geht doch noch“, sagte Susanne, schob einen Pappbecher mit dem Fuß unter den Sitz und warf flüchtig einen Blick auf das verdreckte Armaturenbrett des einst gepflegten vierjährigen Wagens. Sie holte aus ihrer Handtasche zwei unbeschriftete Barschecks auf das Konto ihres Vaters heraus.
„In der Post waren die Kontoauszüge. Lass uns mal eben zur Bank fahren. Die Rente ist gekommen, das Amt hat das Geld für die Humanitas und meine Pflegestunden überwiesen, das Geld der Krankenkasse fürs Saubermachen ist auch da.“ Sie zückte einen Kuli und begann, einen der Schecks auszufüllen.
„Mach doch vierhundert. Können ja mal nach ein paar Filmen gucken“, schlug Wolfgang vor, als er mit quietschenden Reifen aus der Parkbucht fuhr.
„Von mir aus“, antwortete sie und kritzelte eine Unterschrift, die nur eine vage Ähnlichkeit mit der ihres Vaters hatte.
„Besorg dir endlich mal ne Vollmacht“, sagte Wolfgang, der sie aus dem Augenwinkel beobachtete.
„Wozu, das merkt doch eh keiner. Außerdem würde meine Schwester nur Stress machen.“ Sie warf den Kuli in die Tasche und faltete den Scheck in der Mitte zusammen. Der Gedanke an ihre spießige Schwester Carmen verdarb ihr sichtbar die gute Laune.
Wolfgang schürzte die Lippen. Nach einer Weile sagte er: „Der Elektronikmarkt im Einkaufspark hat eine geile Dolby-Surround-Anlage für zwölfhundert im Angebot. Mach den anderen Scheck mal auf einsvier.“ Susanne verdrehte die Augen und verzog den Mund. „Den lösen wir dann aber besser in der Stadt ein“, seufzte sie. Erneut öffnete sie die Handtasche und wühlte auf der Suche nach dem Stift darin herum.

Wolfgang kniete vor dem Fernseher und steckte die letzten Stecker der neuen Anlage zusammen.
„Und?“ Susanne stand kauend in der Tür und guckte ihm zu.
„Geht so. Gibt bessere“, grummelte Wolfgang.
„Na ja, ich geh jetzt mal rüber. Denk dran, wenn einer klingelt. Offiziell wohnst du bei deinem Bruder. Ich hab echt keine Lust, auf das zusätzliche Wohngeld zu verzichten.“ Sie war schlecht gelaunt, seit sie vor wenigen Minuten das Telefon aufgelegt hatte. Carmen, ihre ältere Schwester, hatte sie eindringlich daran erinnert, dass sie Geld für die Grundpflege für ihren Vater und das Saubermachen in seiner Wohnung bekam. Sie hatte Susanne aufgefordert, endlich einmal auch etwas dafür zu tun. „Du kannst mich mal“, hatte Susanne in den Hörer geschrieen. „Mach doch selber sauber. Und schließlich hast du“, sie betonte das Wort mit allem Nachdruck, „ja keine kleinen Kinder.“ Wütend hatte sie die Verbindung unterbrochen und sich erst einmal eine Zigarette angesteckt. Dann ging sie zum Kühlschrank und holte einen Nussriegel heraus, den sie sich schnaufend in den Mund schob.
Sie beobachtete Wolfgang eine Weile bei seiner Arbeit. Schließlich sagte sie: „Wir sollten langsam zu ihm rüberziehen. Dann sind die vierhundertfünfzig, die er für unsere Hütte hier ausgibt, mehr auf seinem Konto. Und wenn wir erst einmal drinnen sind und ich mich wieder umgemeldet habe, können sie uns auch nicht rausschmeißen.“
Wolfgang murmelte etwas Unverständliches.
„Was hast du gesagt?“ Sie leckte die restliche Schokolade von ihren Fingern und wischte die Hand an ihrem Rock ab. Die aufgerauchte Kippe ließ sie fallen und trat die Glut mit dem Fuß aus.
Wolfgang drehte sich um und gurgelte unwirsch: „Wenn du jetzt endlich rübergehst, sollst du die Gören mitnehmen. Auf Pay-TV kommt gleich ein Actionfilm.“
Susanne zog kurz die Schultern hoch und drehte sich um. Wolfgang glaubte ein „Geh arbeiten, Arschloch“ gehört zu haben und warf ihr mit einem Grunzen eine Kombizange hinterher. Die Zange drehte ein paar kuriose Pirouetten, prallte mit einem zerstörerischen Ping gegen die Glasscheibe in der Tür und verschwand dann irgendwo zwischen dreckigen Kleidungsstücken, alten Zeitungen und leeren Chipstüten. Das alles hatte Wolfgang jedoch schon nicht mehr gesehen, da er sich wieder der Verkabelung zugewandt hatte. Wenige Minuten später klappte die Wohnungstür, und man hörte das fröhliche Plappern der Kinder im Treppenhaus.

Carmen Petrowski war gut sieben Jahre älter als Susanne. Sie hatte nach ihrem Abitur Wirtschaft studiert und sich später als Immobilienmaklerin selbstständig gemacht. Schon nach kurzer Zeit hatte sie sich einen guten Namen erarbeitet und wurde von ihren Kunden und ihren Mitbewerbern hoch geachtet. Mit einigen ihrer Kollegen stand sie auf Du, und nicht selten wurde sie von ihnen zu Rate gezogen, wenn es um hochwertige Objekte und schwierige Kunden ging.
Carmens Verhältnis zu ihrer Schwester Susanne war auch schwierig. Ihr Vater hatte nach dem Tod seiner Frau immer einen besonderen Hang zu Susanne gehabt. Er nahm Carmen zur Kenntnis, aber gegen ihre Schwester konnte sie nie wirklich bestehen. Nur in der kurzen Zeit, als Susanne das Haus fluchtartig verlassen hatte, durfte Carmen ihren Vater ein wenig umsorgen. Susanne hatte fast ein ganzes Jahr die Schule geschwänzt, ohne dass ihr Vater dahinter gekommen war. Sie hatte alle Briefe abgefangen und eine falsche Telefonnummer hinterlegt. Als sie dann mit achtzehn den Abschluss vorzeigen sollte, nahm sie ein paar Hunderter aus dem Schrank und verschwand einfach. Paul Petrowski war am Boden zerstört.
Petrowski suchte Trost bei Carmen. Er lud sie oft ein, telefonierte fast täglich mit ihr. Das Verhältnis war nahe daran, herzlich zu sein.
Seinen Jahresurlaub verbrachte er dann aber doch gegen Carmens Rat damit, erfolglos nach Susanne zu suchen. Es dauerte fast ein ganzes Jahr, bis sie wieder vor seiner Tür stand. Von da an hörte Carmen wochenlang nichts mehr von ihm.
Susanne hatte sich einer Drückerkolonne angeschlossen. Ein Tausender Vorschuss, der dann mit einer kleinen Provision abgearbeitet werden sollte. Zusätzlich Kosten für Hotel und Verpflegung, versteht sich.
Sie fand schnell heraus, dass alte Leute leichte Beute waren. Manchmal half sie dem Schicksal und ihrer Provision mit einer selbst gemachten Unterschrift nach. Namen gab es in Seniorenheimen ja genug. Außerdem konnten viele der älteren Menschen nicht erkennen, dass auf dem Formular „verbindliche Bestellung“ stand. Die, welche es hätten erkennen können, unterschrieben einen nichts sagenden „Tätigkeitszettel“ ( brauche ich, damit ich nachweisen kann, dass ich hier war ), hinter den sie unbemerkt den Auftrag gesteckt hatte. Nach zehn Monaten flog sie auf und erhielt mehrere Anzeigen. Erst versteckte sie sich bei Bekannten. Als sie dann aber Gewissheit über ihre Schwangerschaft bekam, floh sie wieder in die Geborgenheit ihres väterlichen Heims.
Petrowski verhandelte, nutzte seine Kontakte zur Polizei, drohte. Und letztendlich zahlte er. Er bezahlte Gläubiger und sorgte mit großzügigen Entschädigungen dafür, dass Anzeigen zurückgenommen wurden. Auf seine Frage, wer der Vater des ungeborenen Kindes sei, erhielt er allerdings nur die ausweichende Antwort, dass sie ihm das nicht sagen möchte, weil der vermutliche Vater für einige Zeit nicht aus Frankfurt abkömmlich sei.

„Warum tust du das. Warum hilfst du ihr immer wieder. Das hat sie nicht verdient“, sagte Carmen eines Tages.
„Das schwächste Glied der Familie muss gestützt werden“, hatte er geantwortet. „Du hast dein Einkommen, deine Karriere. Sie hat nur mich.“ Carmen unterließ die bissige Antwort, die ihr auf der Zunge lag. Sie reduzierte ihren Kontakt zu Vater und Schwester auf das Nötigste. Bis zu dem Tag, als er ihr von seiner Krankheit berichtete und es ihm schon sehr schlecht ging. „Susanne hilft mir so viel“, sagte er ihr dabei, verriet ihr aber erst zwei Monate später, dass Susanne sich diese „Hilfe“ sehr gut bezahlen ließ.

Carmen hatte durch harte Arbeit und Geschick ein kleines Vermögen zusammenbekommen. Ihre einhundertdreißig Quadratmeter große Penthouse-Wohnung in einem bevorzugten Wohnviertel war bezahlt, ebenso der Audi A6 mit Vollausstattung, den sie sich als Jahreswagen vor wenigen Monaten zugelegt hatte. Sie hatte keinerlei Verpflichtungen, war unverheiratet und ging in ihrer Arbeit auf.
Hin und wieder kaufte sie ihrem Vater etwas, das ihm ein bisschen Freude machen sollte. Einen Fernseher mit großem Bildschirm oder einen Kaffeeautomaten, weil er so gerne Kaffee trank. Und wenn sie ihn besuchte, ging sie oft mit dem Staubsauger durch die Wohnung, sammelte das Spielzeug vom Boden, das Lena und Stephan hatten liegen lassen, sie schrubbte das Bad und die Toilette und machte die Küche sauber. Als die Pflegerin der Humanitas ihr sagte, dass ihr Vater schon längst das Bett nicht mehr verlassen konnte, was er vorher aber immer behauptet hatte, rief sie ihre Schwester an und forderte sie auf, sich etwas mehr um ihren Vater und den Haushalt zu kümmern.

Dr. Schwenker schüttelte Susanne die Hand. „Es tut mir Leid, aber das war ja irgendwann zu erwarten. Alles Gute für Sie.“ Er händigte ihr den Totenschein aus und zog leise die Wohnungstür ins Schloss.
Sie hatte ihren Vater vor etwa fünfundvierzig Minuten gefunden. Er lag mit offenem Mund und halb geschlossenen starren Augen in seinem Bett. Man sah sofort, dass er tot war. Sie schob die quengelnde Lena und ihren Bruder in das kleine Zimmer im hinteren Teil der Wohnung, rief den Arzt an und machte sich daran, Geld, Schecks, den Schmuck ihrer Mutter, Vaters Uhren, den KFZ-Brief und sonstige wertvolle Dinge aus dem Schrank zu nehmen und in ihre Handtasche zu stopfen. Sie rief Wolfgang an, dass er seinen Fernsehnachmittag unterbrechen und in Vaters Wohnung kommen solle. Nach Wolfgangs Bruder rief sie ein Beerdigungsunternehmen an. Dann ihre Schwester.
„Hier, Wolle“, sagte sie zu Wolfgang, der gerade angewidert auf seinen toten Schwiegervater geschaut hatte. Sie drückte ihm einen ausgefüllten Scheck in die Hand. „Fahr schnell rüber zur Bank und hol das Geld vom Konto.“ Sie hatte kurz überschlagen, was noch an Guthaben da sein müsste und danach den Betrag gewählt, den sie in das Formular eintrug. Die noch fälligen Abbuchungen waren ihr egal; wenn da nichts mehr ist, kann man nichts holen, sagte sie sich.

Carmen brauchte etwa eine Stunde. Sie betrat die Wohnung mit ihrem Schlüssel, begrüßte kurz ihre Schwester und stellte sich stumm einen Moment vor das Bett ihres Vaters. Als sie die Kinder im hinteren Zimmer toben hörte, erwachte sie aus ihren Gedanken und schaute sich um. Susanne hatte die Möbel an die Seite gerückt und den Teppich aufgerollt, „Damit die Männer besser durchkommen, wenn sie Papa holen.“
Wolfgang kam gleichzeitig mit den Leuten vom Beerdigungsinstitut. Die Formalitäten waren schnell erledigt, und Wolfgang hatte zufrieden zur Kenntnis genommen, dass Carmen alle Aufträge unterschrieb. „Wer schreibt, der zahlt“, hatte er schweigend überlegt.

Sie saßen zu dritt in der Küche am kleinen Tisch.
„Ich könnte einen Kaffee gebrauchen“, sagte Carmen, nachdem sie die Papiere noch einmal durchgesehen hatte. „Wo ist denn die Kaffeemaschine?“
Susanne stieß Wolfgang mit dem Fuß an und antwortete schnell:
„Die war kaputt, da haben wir sie zurückgebracht.“
„Ja und? Habt ihr sie nicht umgetauscht? Da ist doch Garantie drauf.“
„Nein, sie wollten sie einschicken.“
„Das ist mir neu, dass der E-Markt solche Maschinen nicht umtauschen will. OK, dann gib mir bitte den Reparaturzettel. Ich hole sie ab, wenn sie wieder da ist.“
„Oh, den habe ich drüben. Kriegst ihn in den nächsten Tagen.“
Carmen atmete einmal tief ein und stand auf.
„Gut“, sagte sie, „gehen wir mal rum.“
„Ich muss mal eben nach den Kindern gucken“, japste Susanne und sprang auf die Füße. Lena und Stephan hatten die ganze Zeit im hinteren Zimmer gespielt und sich nicht gemeldet. Als Susanne die Tür öffnete, sah sie, dass die beiden Kleinen ein paar Schränke ausgeräumt und einige Bücher mit Buntstiften bemalt hatten. Stephan hatte sich mit seiner Schwester eine Tafel Schokolade geteilt, was Susanne innerlich berührte. Die Kinder waren ja so lieb zueinander. Wolfgang trat hinter sie und raunte leise: „Soll ich jetzt abhauen?“
„Nee“, flüsterte sie, „wir gehen gleich zusammen. Warte eben hier bei den Kindern.“ Wolfgang nickte, zündete sich eine Zigarette an und begann, die offenen Schränke zu inspizieren.

„Wo ist denn die Waschmaschine?“ Carmen schaute auf den leeren Platz im Badezimmer, wo bis vor gut eineinhalb Stunden noch etwas gestanden hatte.
„Ist auch in Reparatur“, sagte Susanne mit Überzeugung und wischte mit dem Fuß über die nasse Stelle auf dem Fußboden, wo vorhin, als Wolfgangs Bruder die Anschlüsse gelöst hatte, Restwasser ausgetreten war. „Ist der Motor. Wird wohl nicht lohnen, die zu reparieren.“ Sie zündete sich eine Zigarette an und inhalierte tief.
Carmen warf ihrer Schwester einen kurzen Blick zu und zog nachdenklich die Augenbrauen kraus.
„Hast du eine Ahnung, wo Papa seine Unterlagen hat?“ Carmen drehte sich abrupt um und steuerte das Wohnzimmer an. Susanne folgte ihr und nuckelte nervös an ihrer Kippe.
„Nee, keine Ahnung. Hab mich nie darum gekümmert“, log sie mit fester Stimme.
Carmen öffnete den Wohnzimmerschrank und starrte auf ein Durcheinander von geöffneten Briefumschlägen, Ordnern und losen Blättern. Sie schloss mit einem Aufstöhnen die Türen und ließ ihren Blick wieder durch den unordentlichen Raum gleiten. Dann stutzte sie.
„Sag mal, wo ist denn der Fernseher, den ich Papa gekauft habe?“
Sie dachte an das riesige Gerät mit dem großen Bildschirm, das sie vor wenigen Tagen für ihren Vater hatte anliefern lassen. Die schlechten Augen ihres Vaters waren ihr die dreitausendachthundert wert gewesen.
„Ja, weißt du…“, Susanne suchte nach Worten, „den habe ich an Wolles Kumpel verkauft. Seiner war kaputt, und ich dachte, da Papi sowieso nur noch geschlafen hat…“ Die Ohrfeige traf sie vollkommen unvorbereitet. Susanne schrie spitz auf und hielt sich die Wange.
„He, bist du bescheuert?“ kreischte sie hysterisch. „Ich wollte dir die Hälfte abgeben. Achthundert. Kriegst du die Tage, ehrlich!“ Der Glanz in ihren Augen verriet, dass sie gleich weinen würde.
„He, lass Sanne in Ruhe“, polterte Wolfgang, der mit drohend erhobenen Armen ins Zimmer geplatzt kam.
„Halt dich da raus, du asoziales Gesocks“, keifte Carmen aufgebracht zurück. Als Wolfgang nach einem erstaunlich behänden Sprung über einen mittelgroßen Karton plötzlich mit geballter Faust vor ihr stand, machte sie zwei schnelle Schritte zurück. Alles ging sehr schnell, ihre Bewegung war schwungvoll und es war nicht ganz klar, ob Wolfgang sie noch berührt hatte. Und wenn, so behauptete er später, wäre es niemals mehr als ein kleiner Stups gewesen. „Das stimmt!“, meinte auch Susanne, fügte noch „Ehrlich!“ dazu und nickte mit dem Kopf.
Carmen selbst konnte darüber keine Auskunft geben. Sie stolperte mit ihrem rechten Fuß über den zusammengerollten Teppich, ruderte hilflos mit den Armen in der Luft und fiel dann wie ein steifes Brett nach hinten. Wolfgang schaute interessiert zu, wie sich das Gesicht seiner gut gekleideten Schwägerin mit maßlos erstauntem Blick immer mehr von ihm entfernte. Susanne zuckte kurz mit den Augen, als das Genick ihrer Schwester auf das Rohr des Krankenbetts aufschlug und mit vernehmlichen Knacken brach. Lena, die vom Flur aus zugeschaut hatte, nuckelte am Daumen und weinte. Stephan stand mit weit aufgerissenen Augen neben ihr, sagte nur „Bumm“ und verlor seinen Schnuller.

„Das war jetzt ein gottverdammter beschissener Unfall.“ Wolfgang hatte als erster die Worte wieder gewonnen. Nervös rieb er über die Knöchel seiner rechten Hand und schaute mit zusammengekniffenen Augen, ob sich eine Rötung bildete. „Kannst den Doc gleich noch mal anrufen.“ Bewegungslos starrte er die tote Frau zu seinen Füßen an. Susanne sagte nichts. Sie stand mit herabhängenden Armen über ihrer Schwester und kaute unruhig auf ihrer Zunge.
„He, Sanne. Was is denn nu? Ruf verdammt den Doc an!“ Wolfgang rüttelte Susanne heftig an der Schulter. Endlich hob sie den Kopf und schaute ihm ins Gesicht.
„Weißt Du was?“, fragte sie ihn leise.
„Hast du jetzt ein’ Blackout, eh? Was is denn los?“
Susanne schüttelte seine Pranke von ihrer Schulter und wischte sich mit beiden Händen über das Gesicht.
„Himmel noch mal. Schnallst du das nicht?“, blaffte sie ihn an.
„He, komm mal zu dir, Sanne“, sagte er beruhigend und hob den Arm. Sie stieß ihn zur Seite. In ihren Augen war ein undefinierbares Funkeln.
„Ich habe“, wisperte sie so leise, dass er sie kaum verstehen konnte, „ich habe gerade eine Menge Kohle geerbt.“

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Laura - unverstanden und in der freien Selbstbestimmung verletzt

Da ist die Lütte gerade aus den Windeln heraus, hat nicht nur selber den Ehrgeiz, die Welt mit ihrer sensationellen Idee zu beglücken, als jüngste Alleinseglering den Globus zu umrunden und damit in die Annalen der Geschichte einzugehen, sondern wird auch noch von ihrem ebenso ehrgeizigen liebsten Daddy vorbehaltlos und uneingeschränkt unterstützt. Gemeint ist die von aller Welt unverstandene und in ihrem persönlichen Recht der freien Entscheidung so widerrechtlich(?) eingeschränkte Laura Dekker.

Ich persönlich würde, auch in dem Wissen, dass sie segeln kann, dass sie über die nötigen Sponsoren verfügt und einen, nach gesundem Menschenverstand eher uneinsichtigen und verantwortungslosen, Vater hat, diese Idee nicht gerade gutheißen.

Wäre sie meine Tochter ( oder Sohn ), dürfte sie auf jeden Fall mit gerade einmal 14 Jahren nicht zu so einer Reise aufbrechen. Nö, mien Deern. Da würde ich eher vorschlagen, mal erst die Schule zuende zu machen. Wenn überhaupt, dann soll sie ihr Können erst einmal im "Nahbereich" unter Beweis stellen. Die kleine Reise nach England reicht da noch nicht. Immerhin sind an solchen Projekten schon ganze Crews gescheitert. Und wir reden hier nicht von einem Kind ( denn das ist sie ), dass sich zum Bodenturnen oder zum Kinderfußball angemeldet hat.

Sicher, uns sollte und muss das egal sein. Wir sind nicht die Erziehungsberechtigten. Ebensowenig sollen wir hier finanziell etwas beisteuern oder bekommen etwas heraus. Aber wenn ich solch eine Geschichte lese, und deswegen gehen diese Leute ja an die Medien, bezweifel ich persönlich den klaren Verstand des Vaters, der väterlichen Großeltern und solcher Leute, die diese Aktion vorbehaltlos gutheißen und/oder medienträchtig sponsoren wollen. Dass pubertierende Kinder - und da meine ich besonders Mädchen - manchmal schlichtweg ätzend sind, das wissen wir alle. Und dass Daddy der Liebste und Beste ist, wenn er in der Phase der elterlichen Trennung alles erlaubt - auch gegen den Willen der bösen Mammi - und der kleinen Prinzessin sogar ein eigenes Segelboot schenkt, das ist eine Geschichte, die nicht einmalig ist. Sowas passiert jeden Tag bei nahezu allen getrennt lebenden Paaren. Kinder können (nicht nur) in solchen Situationen oft grausam und berechnend sein. Und Pubertierende - ich sagte es ja schon: oftmals ätzend.

Dieser zickige Teeny will nun um alles in der Welt ihren Kopf durchsetzen. Und sie kann nun überhaupt nicht verstehen, warum das von fast allen anderen Menschen gar nicht so enthusiastisch und euphorisch abgeklatscht wird. Da wird sogar ein ziemlich ausgefeilter Fluchtplan ausgeheckt - bei dem ich ganz klar eine väterliche Handschrift sehe - der zusätzlich medienwirksam ausgeschlachtet wird und das große Unrecht, das man ihr antun will, noch einmal deutlich herausstellt.

Diese Story wird wohl zum Präzidenzfall, wird noch Geschichte machen. Davon bin ich überzeugt. Sicher, wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo Kinder die Eltern siezen mussten. Wir haben aber auch die antiautoritäre Erziehung der Altsechziger Eltern als ziemlich fehlerbehaftet erkannt und weitestgehend korrigiert. Darum sehe ich keinen Grund, einem 14-jährigen Trotzkopf jeden Wunsch auf kindliche Selbstbestimmung bedenkenlos durchgehen zu lassen. Ein klärendes Gespräch und ein gemeinsames Ausarbeiten eines vernünftigen Plans und Kompromisses wäre nach meinem Dafürhalten sinnvoll und angesagt.

Tja, aber ich bin ja ( zum großen Glück ) nicht der Vater.

Frohes Fest,

Korinthe

Dienstag, 29. September 2009

Polanski festgenommen

Es kann sich einem normal denkenden Menschen nicht erschließen, wie manche verwirrten Köpfe, darunter natürlich auch werbewirksam einige B und C-Prominente, für einen geständigen pädophilen Vergewaltiger nun öffentlich Partei ergreifen und die Einstellung eines seit 1978 anstehenden Verfahrens und die Aufhebung des gesetzmäßigen weltweiten Haftbefehls fordern, dem er sich damals durch Flucht entzog.

Die siebenstellige Zahlung an das Opfer mag bewirkt haben, dass die damals Dreizehnjährige ihm mittlerweile verziehen hat. Doch ist das nur die zivilrechtliche Seite des Verfahrens. Es bleibt noch die strafrechtliche, die weder in den USA, noch in der Schweiz verjährt. Davon kann und darf sich ein Polanski oder sonst ein Straftäter nicht freikaufen dürfen. Es wäre ein Schlag ins Gesicht aller Vergewaltigungsopfer und missbrauchten Kinder, wenn Polanski straflos bliebe.

Dienstag, 25. August 2009

Ackermann und sein kleines Kanzlerin-Dinner

Es mag sicherlich "nur" am Rande einer unterstellbaren Steuerverschwendung sein, jedoch ist dieses elitäre kleine Dinner im engste Kreise der Ackermannfreunde in höchstem Maße ein unmoralisches Vorgehen, zumal Ackermann darüber hinaus damit prahlt, "er hätte sich seine Freunde auf Kosten der Kanzlerin ( also der Steuerzahler ) einladen dürfen". Die 2100 Euro Mehrkosten für Personal sind dabei lächerliche Peanuts im Verhältnis zur vermutlichen Gesamtsumme. Viel abscheulicher dabei ist jedoch die Vorstellung, dass sowohl Ackermann, wie wohl auch jeder einzelne Teilnehmer dieses Events mehr Geld in einem Jahr "verdient", als die gesamten Bewohner eines mittleren Mietblocks am Rande eines sozialen Brennpunkts zusammen in ihrem gesamten Leben in die Hand bekommen. Dass diese Herrschaften es als selbstverständlich ansehen, solche "kleinen, nicht erwähnenswerten Mittagessen" nicht aus ihrer eigenen Schatulle zu begleichen, zeugt von impertinenter Arroganz und beweist, wie weit entfernt solche Menschen doch vom "Otto-Normalbürger" mittlerweile sind.

Freitag, 12. Juni 2009

Ärzte und das Ratzinger-Syndrom

Ratzinger-Syndrom: "Wir sind unfehlbar. Sollten wir fehlen, sind wir unantastbar."

Heute las ich - gleich zweimal - den bei uns erschienene Artikel Immer mehr Behandlungsfehler.

Ich bin betroffen. Auch im wahren Sinne des Artikels. Und ich kann viele Passagen durchaus nachvollziehen.

Es werden noch viel zu wenig entdeckte Fehler auch wirklich geahndet. Die Schlichtungsstellen und Gerichte stützen sich dabei auf Gutachten. Je spezialisierter jedoch die Behandlung und der damit verbundene Fehler ist, desto weniger Spezialisten gibt es hier in Deutschland. Und es ist absolut abwegig zu glauben, dass der Beklagte und der beauftragte Gutachter sich nicht ein- oder mehrmals im Jahr auf Spezialistentagungen begegnen. Somit ist eine "Unparteilichkeit", die m.E. Grundvoraussetzung für ein Gutachten ist, nahezu unmöglich. Ist erst einmal ein "freundschaftliches und wohlwollendes" Gutachten im Umlauf, ist es dem Betroffenen nahezu unmöglich, seine berechtigten Forderungen auch durchzusetzen. Nicht selten wird dabei noch verschleppt und verzögert, bis sich die Sache durch Ableben erübrigt und die Hinterbliebenen die Sache nicht weiter verfolgen.

Bislang ist es doch so, dass ein betroffener Patient einen Fehler beweisen muss, und der Beklagte Arzt / Träger eines Krankenhauses nichts weiter tun muss, als sich lächelnd zurücklehnen und alles in Frage zu stellen. Nur selten greift die Beweislastumkehr, und sollte man es tatsächlich bei der Schlichtung geschafft haben, ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Gegenseite das Urteil nicht annimmt.

Ein neues Gesetz zu Erleichterung des Nachweises ist einfach überfällig, schon allein um so manchen Mediziner vom Ratzinger-Syndrom ( "Wir sind unfehlbar" ) zu heilen. Manchmal wünscht man sich, dass neben der Finanzkrise und Burger-King auch ein Hauch amerikanisches Rechtsverständnis mit über den Teich schwappt und die möglichen Entschädigungen angemessener gestalten. Es ist einfach traurig mit anzusehen, mit welch lächerlich geringem finanziellen Aufwand Ärztefehler aus der Welt geschafft wurden und werden - wenn es denn überhaupt zu einer Entschädigung kommt. Denn hat man dann doch irgendwie Recht bekommen, wird um jeden Cent gefeilscht.

In meinem Fall komme ich momentan nicht wirklich weiter. Ich kann belegen, dass Teile der Akte verschwunden sind, ich weiß, dass der Gutachter ein alter Kumpel vom Vertreter der beklagten Partei ist, ich habe entdeckt, dass im Gutachten zweifelsfrei Zitate nur so ( unvollständig ) gebracht wurden, dass unsere Argumente nicht gestützt werden, usw. usw.

Nun habe ich einen zweiten Anwalt ( Fachanwalt für Medizinrecht ), aber der ist ( Entschuldigung ) eine Labertasche, bei der ich es in 10 Minuten "Gespräch" nicht geschafft habe, mehr als 3 Worte zusammenhängend anzubringen und meinen Fall darzustellen. Mein Anwalt sagt, er sei eine Kapazität mir hoher Erfolgschance. Darum halte ich mich noch zurück. Aber ein Anwalt, der mich anscheinend nicht für voll nimmt, kann nicht mein Vertrauen erlangen...

Ob ich den Ausgang meiner Klage noch erlebe? Na, schaunwermal...

Korinthe

Donnerstag, 11. Juni 2009

Michael Jackson - King of Flop

Himmel, kann dieser total abgedrehte Master of Desaster nicht endlich Ruhe geben?

Warum kann dieses hirnlose Stück Mensch in seiner weltfremden Art nicht irgendwo auf eine unbekannte Insel auf immerdar verschwinden? Er ist nur noch peinlich und seine so genannten Fans verfolgen seine exzentrischen Eskapaden doch nur, um seinen endgültigen Zusammenbruch mitzuerleben. Seine Berater und alle um ihn herum saugen noch immer an dieser planlosen Figur herum, auch wenn er mit 110 Millionen in der Kreide steht und keine Chance auf Rückerstattung hat, nach dem Motto: Na, eine lukrative Entgleisung wird er doch wohl noch schaffen...

Wird er die angekündigten 50 Konzerte absagen? Wie kommt er aus der Klage, die gerade wegen Vertragsverletzung eingereicht wurde, wieder heraus? Wer zahlt die Miete für das Schloss in England, und was soll der Schwachsinn mit dem zu errichtenden Vergnügungspark?

Bitte, Michael, geh bitte endlich ab. Lass uns die gute und schöne Erinnerung an einen tollen Musiker. Alles, was in der letzten Zeit war und was jetzt noch kommt, kann nur noch peinlich und teuer für Dich werden.

Und trenn Dich endlich von diesen Idioten, die Dir immer noch einreden, Du hättest für irgendwen oder irgendwas noch irgendeine Bedeutung.

Was ich noch sagen wollte...

Ab und zu schreibe ich eine Geschichte, ein Gedicht oder sonst irgend einen Unsinn. Nicht alle meine Gedankenergüsse finden in diesen Seiten Einzug. Aber was ich hier einstelle, ist uneingschränkt von mir.


Manche Sachen sind eher lustig, mache sollen zum Nachdenken anregen und einige mögen auch ein wenig skurril daherkommen. Einige schreibe ich aus Langeweile, einige zum ver- und aufarbeiten meiner Gedanken. Einige Geschichten sind frei erfunden, andere geben, zumindest in Grundzügen, wahre Begebenheiten wider.


Aber alle sollen Spaß beim Lesen bereiten. Mir und auch anderen Lesern.Viel Spaß also beim durchstöbern und lesen meiner Schreibereien wünscht Euch Korinthe

Mehlige Angelegenheiten

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Korinthe - 24. Dez, 11:03

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